Gut für alle:
Start-ups, die 2021 die Welt verbessern wollen

Unternehmensgründer sind nicht immer nur am großen Geld interessiert, manche Start-ups wollen zuallererst etwas Gutes bewirken und setzen dafür innovative Technik ein – Tech for Good also.

Maßnahmen zum Klimaschutz gehören zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN.

Maßnahmen zum Klimaschutz gehören zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN.

Viele Menschen sind überzeugt, dass wir unsere Art zu leben und zu wirtschaften ändern müssen, um den Klimawandel und die Erschöpfung natürlicher Ressourcen zu bremsen. Schon seit Jahren wächst die Zahl innovativer Start-ups, die nicht zuallererst nach dem großen Geld streben, sondern nach innovativen Lösungen für die globalen Herausforderungen suchen. Oft orientieren sich diese jungen Unternehmen dabei an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN. Dazu gehören zum Beispiel bezahlbare und saubere Energie (Ziel 7), nachhaltige/r Konsum und Produktion (Ziel 12) und Maßnahmen zum Klimaschutz (Ziel 13).

Keine Wohltätigkeit, sondern ökonomische Lösungen

Diese Start-ups haben zwei Gemeinsamkeiten: Sie haben zwar das Ziel, die Welt etwas besser zu machen. Aber sie sind keine wohltätigen Organisationen, sondern sie bieten ökonomische Lösungen für ein oder mehrere globale Probleme an. Und dafür setzen sie innovative Technologien oder Geschäftsmodelle ein.

„Tech for Good“ heißt diese Bewegung. Es gibt auch eine Organisation gleichen Namens, die den Start-ups eine Plattform bietet, auf der sich die Entrepreneure international vernetzen und voneinander lernen können. Eine entsprechende Plattform mit ebenso globalen Ambitionen gibt es mit tech2impact auch in Österreich. MEIN LEBEN hat bereits darüber berichtet.

Eines der bekanntesten Beispiele für ein erfolgreiches Start-up aus Österreich, das eine ebenso nachhaltige wie erfolgreiche Lösung für ein Umweltproblem gefunden hat, ist Refurbed. Doch es gibt noch viele weitere spannende Tech-for-Good-Start-ups aus Österreich, zum Beispiel:

Beetle for Tech – zum Schutz nachhaltiger Waldwirtschaft

Beetle for Tech will nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen.

Beetle for Tech will nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen.

Das Start-up aus Tulln in Niederösterreich hat sich zum Ziel gesetzt, den illegalen Holzhandel zu unterbinden. Dazu entwickelt Beetle for Tech Technologien, mit denen man den Weg eines Baumstamms lückenlos bis zurück an den Ort verfolgen kann, wo der Baum gefällt wurde. Die Gründer Matthias Sammer, Anh Nguyen, Sebastian Vogler und Koimè Kouacou sehen im Holz einen Werkstoff mit großem Zukunftspotenzial, den man in der Textilproduktion ebenso einsetzen kann wie beim Bau eines Hochhauses. Damit die wachsende Rohstoffnachfrage auch umweltverträglich befriedigt werden kann, müssen nachhaltige Waldbewirtschaftung und legale Herkunft weltweit sichergestellt werden. Beetle for Tech arbeitet dazu unter anderem an einem innovativen System zur Holzcodierung und einem satellitengestützten Waldbeobachtungssystem. Gefördert wird das Start-up vom niederösterreichischen Technologieinkubator Accent.

Campfire Solutions – Daten, die die Welt verbessern

Die drei Campfire-Gründer Benjamin Mörzinger, Markus Hoffmann und Anna Pölzl. Raffinerie in Schwechat

Die drei Campfire-Gründer Benjamin Mörzinger, Markus Hoffmann und Anna Pölzl. Raffinerie in Schwechat

Das Wiener Start-up Campfire Solutions entwickelt ein Softwarewerkzeug, um Emissionen und Energiekosten von Industriebetrieben auf Basis vieler Daten zu optimieren. Das Tool beschleunigt die Datenanalyse, sodass die Anwender jederzeit ihre Ideen zu Energieeinsparpotenzialen testen und immer bessere Lösungen finden können. Die drei Gründer Benjamin Mörzinger, Markus Hoffmann und Anna Pölzl wollen mit ihrer Technologie „Menschen die Instrumente an die Hand geben, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen und Vorteile zu schaffen“. Sie sind überzeugt, dass Forschung und Industrie so eng wie möglich zusammenarbeiten müssen, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Damn Plastic – coole Alternativen zum Kunststoff

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Victoria Neuhof will weniger Plastik

Victoria Neuhofer aus Mondsee und die Wienerin Stephanie Sinko haben Damn Plastic gegründet, um den Gebrauch von Kunststoff in unserer Welt zu reduzieren. Die beiden sind davon überzeugt, dass jeder Mensch durch kleine Schritte Plastik vermeiden kann. Sie wollen nicht mit dem Finger auf andere Leute zeigen und sie dazu bringen, gleich ihr ganzes Leben zu verändern. Sie wollen nur bessere Alternativen zum Plastik anbieten – wie etwa essbare Teller aus Weizenkleie, kompostierbares Besteck oder Kaffeetassen aus Kaffeesatz anstelle von Wegwerfgeschirr aus Kunststoff. Die Idee kam Victoria Neuhofer nach einer langen Party-Nacht, als sie den großen Müllberg erblickte, den das feiernde Volk hinterlassen hatte. Mit weniger Plastik leben war fortan ihr Ziel. In ihren Läden und online verkaufen die beiden Gründerinnen ein umfangreiches Sortiment an plastikfreien oder recycelten Produkten – und wollen aus ihrem Damn Plastic Flagship Store in der Salzburger Münzgasse und dem Damn Plastic 2nd Store am Hauptplatz in Linz ein Franchisesystem machen.

eFriends – besserer Strom

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Das Start-up eFriends aus Nappersdorf im Weinviertel ist angetreten, um den Strommarkt zu revolutionieren. Die Idee: Die Mitglieder (eFriends genannt) der Energiegemeinschaft teilen regional erzeugten Ökostrom miteinander. eFriends sind entweder Stromproduzenten – zum Beispiel, weil sie auf ihrem Dach eine Photovoltaikanlage betreiben – oder Stromkonsumenten. Damit das Teilen klappt, steckt in den Stromzählern ihrer Häuser und Wohnungen die revolutionäre Technik des Start-ups. Über die eFriends-App finden und verbinden sich die Mitglieder und entscheiden, von wem sie Strom beziehen beziehungsweise an wen sie überschüssigen Strom liefern wollen – und zu welchem Preis. Das Prinzip des Energy Sharings ist keine neue Idee. Doch Forschungsprojekten in den USA und Asien, wo Energy Sharing ebenfalls boomt, ist eFriends nach eigenen Angaben deutlich voraus. „In Brooklyn und Bangkok findet Energy Sharing derzeit nur zwischen benachbarten Häusern statt“, sagt Matthias Katt, einer der Gründer und Geschäftsführer von eFriends. „Der Strommarktplatz, den wir geschaffen haben, funktioniert österreichweit.“

Smaxtec – die Kuhversteher

Smaxtec Gründer Stefan Rosenkranz und Mario Fallast erheben Daten in der Kuh.

Smaxtec Gründer Stefan Rosenkranz und Mario Fallast erheben Daten in der Kuh.

Die Idee für Smaxtec hatten die zwei Techniker Stefan Rosenkranz und Mario Fallast bereits 2006, als sie zufällig auf ein Problem in der Milchwirtschaft aufmerksam wurden: Der Pansen-pH-Wert einer Milchkuh sagt etwas über ihre Milchleistung und Krankheitsanfälligkeit aus, kann jedoch nur sehr umständlich und bei wenigen Kühen gemessen werden. Die beiden suchten eine bessere Lösung und entwickelten Sensoren, die in der Kuh (im Netzmagen) kontinuierlich und langfristig Daten erheben. Heute haben sie mit Smaxtec ein „revolutionäres Kuh-Versteh-System auf dem Markt, das wertvollste Einblicke gibt“. Das Früherkennungssystem des Grazer Start-ups unterstützt die Milchviehalter bei der Gesundheitsvorsorge, Reproduktion und Fütterung ihrer Kühe. Die Kuh bleibt gesund – und braucht keine Medikamente, die die Milch oder Umwelt belasten können.

To be continued …