Do it yourself:
So einfach kannst du dein Fahrrad selbst reparieren

Patschen Picken ist nicht schwer und auch andere Einstellungen am Fahrrad kannst du schnell selbst erledigen. Wer eigenhändig zum Werkzeug greift, spart auch Geld. Wir geben Tipps.

Mit etwas Übung lassen sich viele Reparaturen am Rad selbst erledigen.

Mit etwas Übung lassen sich viele Reparaturen am Rad selbst erledigen.

Radfahren ist gut für die Umwelt und gesund. Zudem ist in Corona-Zeiten bei dieser Art der Fortbewegung das Ansteckungsrisiko äußerst gering. Damit du lange Freude an deinem Rad hast und immer sicher unterwegs bist, ist regelmäßige Pflege und Wartung wichtig. Dazu gehört auch, kleinere Reparaturen selbst vorzunehmen. Das spart Geld und hilft dir, die Technik und Ausstattung besser zu verstehen. MEIN LEBEN zeigt dir, worauf es ankommt und gibt nützliche Tipps zu den wichtigsten Handgriffen. Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Geduld kommen auch Anfänger zum Erfolg.

Check zuerst die Gewährleistung!

Hat dein Fahrrad vielleicht noch Garantie? Bei einem Neukauf ist eine Gewährleistung von 24 Monaten gesetzlich vorgegeben. Das gilt auch dann, wenn du ein gebrauchtes Radl bei einem Händler kaufst. Manche Händler reduzieren den Anspruch auf eine kostenlose Instandsetzung auf zwölf Monate. In der Regel gilt, dass Defekte in den ersten sechs Monaten auf einen Mangel beim Kauf zurückgeführt werden. Bei einem Schaden nach sechs Monaten muss der Kunde nachweisen, dass nicht er den Schaden verursacht hat. Das bedarf einer gewissen Kulanz des Händlers oder Herstellers. Im Streitfall hilft ein Gutachter. 

Besonderheiten für E-Bikes 

Gerade in alpinen Regionen sind Pedelecs beziehungsweise E-Bikes besonders beliebt. Doch auch andernorts erleben Elektrofahrräder einen regelrechten Boom. Viele Reparaturen kannst du wie auch für ein herkömmliches Fahrrad selbst durchführen. Den Elektromotor solltest du als Laie jedoch nicht warten. Eine plötzlich aussetzende Motorunterstützung kann viele Ursachen haben. Ob es sich um Softwareprobleme, ausgefallene Sensoren, schwache Akkus, wackelnde Steckverbindungen oder schlicht um einen heiß gelaufenen Motor handelt, kann der Händler oder Hersteller feststellen. Auch die Garantie- und Gewährleistungsbedingungen schließen Eigenreparaturen am Motor aus.

Schnell-Check

Für Sicherheit und Freude am Fahren ist es wichtig, regelmäßig einen Schnell-Check durchzuführen – besonder gründlich nach einem Sturz. Prüfe dein Fahrrad dabei auf offensichtliche Schäden am Rahmen und an den Komponenten. Achte darauf, ob Teile verzogen sind oder Dellen aufweisen. Kontrolliere dann, ob alle Teile fest sitzen: Laufräder, Lenker, Vorbau, Kurbel, Pedale. Teste Fahrradbeleuchtung, Bremsen und die Gangschaltung. Ob die Bremsbeläge verschlissen sind, siehst du an der entsprechenden Markierung. Deine Kette sollte sauber sein, dein Lenker sollte sich reibungsfrei bewegen und die Laufräder leichten Lauf haben.

1.    Antrieb: Kette reinigen

Aus dem Buch „Fahrrad Reparaturen” ©Stiftung Warentest

Werkzeug: Eimer Wasser, Schwamm, Spülmittel, Lappen, Kettenreiniger, Zahnbürste, speziell vorgesehene Bürste, Zahnstocher und Fahrradketten-Öl

So geht’s: 
Stelle dein Fahrrad auf Lenker und Sattel und entferne zunächst den groben Dreck mit einem Lappen von der Kette. Bei einer Kettenschaltung kannst du das Schaltwerk und die Ritzel im Schaltwerk, die sogenannten Schaltröllchen, mit einer Zahnbürste reinigen. Oder du setzt vorsichtig einen Schraubendreher an, um den Schmutz von den Schaltröllchen zu entfernen. Für die Zwischenräume der Ritzel am Zahnkranz gibt es Zahnkranzreiniger. Aber auch ein Zahnstocher ist gut geeignet. Für die Feinreinigung der Kette bringe den Kettenreiniger auf einen Lappen oder direkt auf die Kette auf. Umschließe die Fahrradkette mit dem Lappen und lass die Kette mit leichtem Druck hindurch laufen.  Nach der Reinigung trägst du Fahrradketten-Öl auf die Kette auf. Nach einer Einwirkzeit überschüssiges Öl mit einem trockenen Lappen entfernen. Hinweis: Hast du Felgenbremsen, achte darauf, dass kein Öl auf die Felgen kommt.

Aus dem Buch „Fahrrad Reparaturen” ©Stiftung Warentest

Wenn du einen Zahnteilungs-Carbonfaser-Riemen an Stelle einer herkömmlichen Fahrradkette hast, reinigst du den sogenannten Gates-Riemen zunächst mit einer weichen Bürste. Für die Feinwäsche trägst du Fahrradreiniger mit derselben Bürste auf und lässt ihn ein paar Minuten einwirken. Danach reibst du mit einem nassen Schwamm mit Spülmittel die Ober- und Unterseite ein. Zum Schluss spülst du mit klarem Wasser nach. Ein Gates-Riemen wird nicht geölt.

2.    Laufräder: Patschen Picken

Aus dem Buch „Fahrrad Reparaturen” ©Stiftung Warentest

Werkzeug: Marker, zwei Reifenheber, bei einem Platten eine Schale mit Wasser oder Lochschnüffler, Flickzeug oder einen neuen Schlauch, Luftpumpe

So geht’s:
Prüfe bei Luftverlust zuerst das Ventil, ist es dicht, untersuchst du den Reifen auf Fremdkörper und entfernst diese. Baue dafür das Rad aus und schraube die Ventilschutzkappe und Ventilhaltermutter ab. Ziehe nun den Reifen über den Felgenrand. Manche Reifen lassen sich ohne Reifenheber abziehen. Ist das nicht möglich, fixierst du zunächst einen Reifenheber bei einer Speiche und einen zweiten in etwa 15 Zentimeter Abstand. Entferne vom abgezogenen Reifen eventuelle Fremdkörper. Um ein Loch im Schlauch zu suchen, pumpst du ihn auf und legst ihn in ein Wasserbad. Hast du das Loch gefunden, säubere, trockne und markiere die Stelle um das Loch und raue die Oberfläche mit Schmirgelpapier auf. Es gibt selbstklebende Flicken oder solche die mit Kleber verwendet werden. Bei Letzteren bestreichst du die angeraute Stelle dünn mit Vulkanisierungslösung und lässt sie fünf Minuten antrocknen. Danach setzt du den Flicken auf und drückst ihn fest. Bevor du Schlauch und Reifen wieder einbaust, kontrolliere den richtigen Sitz des Felgenbands. 

3.    Bremsen: V-Brakes und mechanische Scheibenbremse einstellen

Bremsen lassen sich mit der Schraube am Hebel fester ziehen
Aus dem Buch „Fahrrad Reparaturen” ©Stiftung Warentest

Bremsen lassen sich mit der Schraube am Hebel fester ziehen

Werkzeug: 5-Millimeter-Inbusschlüssel, Kreuzschlitzschraubendreher
 
So geht’s:
Damit die Fahrradbremse einwandfrei funktionieren kann, kontrollierst du zunächst, ob die Felge in einem guten Zustand ist oder eventuell eine kleine „Acht“ aufweist. Danach prüfst du die Bremsbeläge. Sind diese verschlissen, erneuere sie. Das ist der Fall, wenn die Profile eingeebnet oder bis zur Indikatorlinie abgenutzt sind. Um die Bremse am Bremsarm einzustellen, drehst du die Einstellschraube am Bremshebel komplett zu. Mit dem Inbusschlüssel drehst du danach die Klemmschraube am Bremsarm auf. Drücke die Bremsschraube mit einer Hand weiter an die Felge heran und ziehe die Schraube wieder fest. Prüfe, ob die Bremse jetzt wieder besser zupackt. Kleine Feinheiten lassen sich mit der Stellschraube am Bremshebel einstellen. 
Bei einer schleifenden mechanischen Scheibenbremse ist meist der Bremssattel nicht richtig eingestellt. Um den Bremssattel auszurichten, löst du die Inbusschrauben an der Bremssattelaufnahme, bis sich der Bremssattel bewegen lässt. Verschiebe nun den Bremssattel, indem du ihn durch die Langlöcher horizontal bewegst, bis die Bremsscheibe mittig zwischen den Bremsbelägen sitzt. Ziehe dann die Schrauben vorsichtig wieder an. 

4.    Schaltung: 7- und 8-Gang Nabeneinstellung

Feinarbeit: Schaltung einstellen
Aus dem Buch „Fahrrad Reparaturen” ©Stiftung Warentest

Feinarbeit: Schaltung einstellen

Kein Werkzeug benötigt
 
So geht’s: 
Schalte vom ersten in den vierten Gang. Bei modernen Shimano Nexus- und Alfine-Modellen befinden sich praktische Farbmarkierungen direkt am Nabenkörper hinter dem Kettenschutz. Stimmen die Markierungen überein, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, stellst du die Zugeinstellschraube am Schalthebel ein. Drehe das Rädchen, bis die Markierung an der Schalteinheit übereinstimmt. Schalte danach wieder in den ersten Gang und zum Schluss noch mal in den vierten Gang. Überprüfe erneut die Einstellung. Passt alles, sollten anschließend alle Gänge knackig einrasten. Falls sich die Schaltung oder der Aufbau von deinem Radl unterscheidet, findest du im Internet sicher die passende Anleitung.

5.    Beleuchtung: Dynamobetriebene Leuchte prüfen

Gerade bei der Beleuchtung hat sich der Stand der Technik in den letzten Jahren rasant verändert: Fuhr man früher mit einer 2,4-Watt-Glühbirne (entspricht 12 bis 15 Lumen), werden heute moderne leuchtstarke LED-Scheinwerfer mit einer Lichtausbeute von 100 Lumen eingesetzt. Doch  bei allem technischen Fortschritt wurde die „unkaputtbare“ Fahrradbeleuchtung bisher leider noch nicht erfunden. 
Werkzeug: Je nach Ursache Isolierband, Lappen, neue Glühbirne, neuer Dynamo, 4,5-Volt-Batterie
 

Häufigte Fehlerquelle bei Dynamos: Lose Drähte
Aus dem Buch „Fahrrad Reparaturen” ©Stiftung Warentest

Häufigte Fehlerquelle bei Dynamos: Lose Drähte

So geht’s:
Schau dir erst einmal genau an, was defekt ist. Oft sind lose Kabel die Ursache von Beleuchtungsproblemen. Zum Beispiel löst sich die doppeladrige Verkabelung an den Frontscheinwerfern leicht aus der Verankerung. Auch die Stecker beim Nabendynamo sind einfach abziehbar. Bei verschmutzten Anschlüssen kann der Strom nicht ungehindert seinen Weg zur Leuchte finden. Beseitige diesen Dreck mit einem Lappen. Falls ein Kabel geknickt oder gebrochen ist, flicke die Stelle mit einem Isolierband. Mit einer 4,5-Volt-Batterie kannst du die Birne am Rück- oder Frontlicht prüfen. Funktioniert das Rücklicht nicht, öffne die Rücklichtabdeckung und kontrolliere den Kontakt zwischen Lampengehäuse und Schutzblech. Checke auch beim Dynamo, ob sich der Kopf richtig dreht und bei einem Nabendynamo, dass der Stecker festsitzt. Ist der Nabendynamo defekt, solltest du Expertenhilfe aufsuchen. 

6.    Ergonomie: Sattel- und Lenkerhöhe einstellen

Gehört in den Werkseuzkasten: Imbusschlüssel-Set

Gehört in den Werkseuzkasten: Imbusschlüssel-Set

Nun hast du alles repariert, und dein Radl läuft wieder wie geschmiert. Doch bevor du losfährst, überprüfe auch noch einmal die richtige Einstellung für eine optimale und gesunde Haltung.
Werkzeug: Wasserwaage, einen Helfer, Inbusschlüssel, eventuell Fett, Filzstift

So geht’s:
Der Sattel soll exakt waagerecht ausgerichtet sein, eine Wasserwaage hilft dir dabei. Mit dem Inbusschlüssel löst du die Schraube oder den Schnellspannverschluss an der Sattelstütze. Die ergonomisch richtige Sitzhöhe erreichst du, wenn du im Sitzen dein Knie komplett durchdrücken kannst, während deine Ferse auf dem Pedal liegt. Markiere die Position und stelle den Sattel fest. Achte darauf, dass die Minimum- oder Maximummarkierungen nicht über- oder unterschritten sind. 
Der Lenker ist richtig eingestellt, wenn das Becken nach vorne gekippt ist und dabei ein leichtes Hohlkreuz entsteht. Sportliche Fahrer haben einen Winkel zwischen Oberarm und Oberkörper von 90° und höher. Als Tourenfahrer ist ein Winkel von 70° bis zu 90° empfehlenswert und auf dem Cityrad sollte der Winkel nicht grösser als 60° sein. Die entsprechende Lenkerhöhe verstellst du, indem du mit einem Inbusschlüssel die Schraube am Vorbau löst. Nun klemmst du das Vorderrad zwischen die Beine und rüttelst am Lenker, bis er die gewünschte Höhe erreicht hat. Auch hier darf die Markierung für den maximalen Auszug nicht zu sehen sein. Zum Schluss ziehst du mit dem Inbusschlüssel den Lenker wieder fest. 
Eine Schritt-für Schritt-Anleitung gibt eine Bike-Fitting-Box. Damit bestellst du dir ein Tool zur präzisen, einfachen und ergonomisch richtigen Einstellung einfach nach Hause. Wenn trotzdem beim Fahren Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Rücken, Gesäß, Knie oder Handgelenken entstehen, empfiehlt sich ein professionelles Bike-Fitting beim Händler. 

Selbsthilfe-Werkstätten

Du hast Lust dein Fahrrad zu reparieren, dir fehlt aber das Werkzeug und ein bisschen Anleitung könntest du auch gut gebrauchen? Dann such dir in deiner Nähe eine Selbsthilfe-Werkstatt. Hier geben Betreuer Tipps, wenn du nicht mehr weiter weißt. Zum Schutz vor Corona können einige Werkstätten momentan nur mit Voranmeldung besucht werden. 

 

Weitere Tipps rund um Radwartung und -reparatur findest du hier:

Fahrrad Reparaturen Ulf Hoffmann Stiftung Warentest, Berlin 352 Seiten Preis: 24,90 Euro, E-Book 19,99 Euro

Das Blaue Buch der Fahrradtechnik
C. Calvin Jones
252 Seiten
Preis: 29,90 Euro Taschenbuch

Das BIKE&CO Fahrrad- und Pedelec-Handbuch
BICO Zweirad Marketing GmbH
80 Seiten
PDF zum Downloaden
Auf der Webseite des Bundesverbandes Österreich Radlobby findest du in der Rubrik Rad & Zubehör Tipps zur Fahrradwartung.