Hochbeete bauen:
Garteln auf hohem Niveau

Im Garten arbeiten, ohne mit Wühlmäusen oder kargem Boden zu kämpfen? Ein Hochbeet macht’s möglich. MEIN LEBEN erklärt, was du beim Bau beachten musst.

Im Hochbeet sind Pflanzen geschützter.
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Im Hochbeet sind Pflanzen geschützter.

Bei Rebecca aus Altheim in Oberösterreich kommen Zucchini, Kürbis und Kopfsalat ganz frisch auf den Tisch. Direkt aus dem eigens gezimmerten Kasterl auf ihrer Terrasse, für das sie zentnerweise Erde schaufeln musste. Es ist ihr ganz persönlicher Minigarten mitten in der Stadt: ein Hochbeet. Auch Kräuter, die besonderen Schutz und Wärme brauchen, baut sie an. „Da zählt der Basilikum zum Beispiel dazu, weil der gerne mal von Schnecken gefressen wird“, sagt Bloggerin Rebecca Streiner. „Im Hochbeet kann man ihn besser schützen.“ Sie liegt damit voll im Trend.

„In den letzten Jahren ist ein wahrer Hochbeet-Boom ausgebrochen.“

Agrarexpertin Andrea Heistinger

Hochbeete findet man allerorten. Nicht nur auf Dächern mitten in Wien oder an Straßenrändern, sondern auch in unzähligen Gärten. Diese alte Anbautechnik, die schon in Klosteranlagen zu finden war, findet heute immer mehr Anklang. „In den letzten Jahren ist ein wahrer Hochbeet-Boom ausgebrochen“, sagt die für ihre Gartenbücher bekannte Agrarexpertin Andrea Heistinger. Kein Wunder. Die hochgelegten Beete, die rundherum mit Holz oder anderen Materialien befestigt sind, erleichtern die Gartenarbeit, weil man an ihnen aufrechter arbeiten kann. Sie bieten ein wärmeres Mikroklima und schützen die Pflanzen vor Frost und Schädlingen. Blumen, Kräuter oder Gemüse wachsen schneller und die Ernte ist oft größer. Vor allem lässt sich durch Hochbeete ein Stück nährstoffreicher Garten schaffen, der völlig unabhängig von der Bodenqualität ist. „Sogar auf ehemaligen Industrie- oder Verkehrsflächen können Hochbeete errichtet werden“, sagt Heistinger. „So kommt das Gemüse nicht direkt mit dem Erdboden in Berührung.“

Die Füllung macht’s

Für Gärtner, die sich mit kargen Böden, Wühlmäusen, Schnecken oder Rückenschmerzen plagen, sind Hochbeete eine entspannte Alternative. Sofern sie richtig angelegt sind. Was aber ist beim Hochbeet-Bau zu beachten? Ursprünglich sind Hochbeete aus Komposthaufen entstanden, die mit Steinen oder Holzbrettern abgegrenzt wurden und daher bestens mit organischem Dünger versorgt sind. Dieses besondere Klima aus Nährstoffen und Wärme, das durch den Verrottungsprozess entsteht, gilt es im Hochbeet herzustellen. Dabei spielt die richtige Befüllung die größte Rolle. Genau genommen sind Hochbeete einfach Behälter mit Pflanzenabfällen in verschiedenen Zersetzungsstadien, die mit Erde abgedeckt und bepflanzt werden.

Selbst hängende Pflanzen gedeihen gut im Hochbeet - die Bodenfäule kann ihnen nur wenig anhaben.
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Selbst hängende Pflanzen gedeihen gut im Hochbeet - die Bodenfäule kann ihnen nur wenig anhaben.

RICHTIG BEPFLANZEN

Besonders für ein Hochbeet geeignet sind Gemüsearten, die wenig Platz brauchen und trotzdem eine gute Ernte versprechen. Dazu zählen Paprika, Buschtomaten, Chlis, Zwiebeln, Kohlrabi, Salat, Zucchini, Radieschen und Erdbeeren. In den ersten Jahren hat ein Hochbeet die meisten Nährstoffe. Bei der Bepflanzung sollte daher eine gewisse Reihenfolge beachtet werden:

1. bis 2. Jahr: Starkzehrer wie Tomaten, Kohl, Gurken, Zucchini, Lauch, Sellerie.

3. bis 4. Jahr: Mittelzehrer wie Salat, Spinat, Zwiebeln, Knoblauch, Chinakohl, Paprika, Karotten.

5. bis 7. Jahr: Schwachzehrer wie Bohnen, Erbsen, Kräuter, Sommerblumen.

Der Gartenturm von Herbios hat mehrere Ebenen.

Der Gartenturm von Herbios hat mehrere Ebenen.

Im Garten sollte das Hochbeet etwas in den Boden eingelassen werden. Zum Schutz gegen gierige Wühlmäuse liegt ganz unten ein Maschendraht aus, der am besten bis zur Hälfte der Seitenwände reicht. Dann geht das Schichten los. Gängig sind vier verschiedene Lagen. Die untere Hälfte wird mit grobem Baumschnitt gefüllt. Die Äste funktionieren als Drainage. Auch Tonscherben und große Kiesel sind dafür geeignet. Darüber kommen etwa 20 Zentimeter gehäckselte Äste, Rindenmulch oder Gartenabfälle wie Laub. Nachdem alles etwas festgetreten ist, folgt eine Schicht von rund zehn Zentimetern halbreifem Kompost. Zum Schluss wird alles mit gutem Humus und Muttererde aufgefüllt. Nach rund sechs Jahren sollte man die Füllung komplett austauschen, weil dann die Zersetzung abgeschlossen ist und die Nährstoffe aufgebraucht sind.

Lärchenholz ist der beste Rahmen

Die Maße des Hochbeets und die Wahl des Materials sind jedem selbst überlassen. Wie bei der Küchenarbeit ist eine Arbeitshöhe von 90 Zentimetern ideal, um im Stehen zu garteln. Wer lieber sitzen möchte, sollte ein 60 Zentimeter hohes Beet bauen. Um überall bequem heranzukommen, ist eine Breite von nicht mehr als 120 Zentimetern angebracht. Als Standort wäre eine Nord-Süd-Ausrichtung perfekt. Dort wird das Sonnenlicht am besten ausgenutzt.

Das beliebteste Material für Hochbeete ist Holz. Besonders geeignet sind Lärche, Robinie oder Douglasie, weil diese sehr widerstandsfähig sind. Lärchenholz hält auch ohne Imprägnierung bis zu 15 Jahre. Die Innenwände von hölzernen Hochbeeten sollten mit Teichfolie verkleidet werden, damit der Rahmen nicht mit der verrottenden Füllung in Kontakt kommt und Schaden nimmt. Auch Seitenwände aus Metall, Kunststoff, Stein oder sogar Beton sind möglich. Beton hat den Vorteil, dass man sich nur einmal um den Aufbau und die Beschichtung kümmern muss. Wind und Wetter können ihm nichts anhaben.

Selbst hängende Pflanzen gedeihen gut im Hochbeet - die Bodenfäule kann ihnen nur wenig anhaben.
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Selbst hängende Pflanzen gedeihen gut im Hochbeet - die Bodenfäule kann ihnen nur wenig anhaben.

Der High Line Park in New York bietet Natur auf einer alten Schienentrasse.
© David Berkowitz

Der High Line Park in New York bietet Natur auf einer alten Schienentrasse.

WELTWEITER TREND: URBAN GARDENING 

In den Städten dieser Welt erfreut sich  das Urban Gardening zunehmender Beliebtheit. Auf Brachflächen, kleinen Grundstückslücken, auf ehemaligen Bahntrassen oder Dachflächen entstehen in New York, London, Wien und Graz von Anwohnern angelegte Gärten. Sie ernähren sich vom Angebauten  und genießen die Arbeit in der Natur. Die Stadt Wien fördert seit 2010 unter dem Motto „gemeinsam garteln verbindet“ aktiv Nachbarschafts- und Gemeinschaftsgärten. So findet man auf dem Karlsplatz jetzt über 50 Obst-, Gemüse- und Getreidesorten in eigens angelegten Hochbeeten. In New York riefen Anwohner den High Line Park auf einer ehemaligen Trasse der Hochbahn ins Leben – heute eine ganz besondere Touristenattraktion.

Wer keine Lust auf große Anschaffungen hat, muss trotzdem nicht auf sein Hochbeet verzichten: Zum Losgärtnern reicht schon eine einfache Obstkiste. Auch alte Fässer, Schubkarren oder ausgediente Bettkästen lassen sich umwandeln. Damit schafft man Hingucker mit besonderem Flair. Alternativ benutzt man einfach ein fertiges Hochbeet wie das von Herbios aus Maria Anzbach. Dort gibt es verschiedene Größen aufbaubereit zu kaufen – direkt und vollständig vor die eigene Haustür geliefert. Das Angebot der „Erfindung eines Niederösterreichers“ nahm Videoblogger Richard Haderer in Anspruch und berichtet darüber in seinem Video.

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Videoblogger Richard Haderer baut einen Herbios Gartenturm.

Bloggerin Rebecca hat sich hingegen einfacher Bretter aus dem Baumarkt bedient, sie zusammengezimmert und mit Plane ausgelegt. Ganz unten kam Styropor rein, darauf Blumenerde. Fertig war ihr Hochbeet auf der Terrasse. Sie erntet dort das eigene Gemüse. Und erfreut sich jeden Tag des schönen Anblicks, wenn sie aus dem Fenster schaut. Denn abgesehen von ihrem Nutzen sind Hochbeete wunderbare Gestaltungselemente im Garten oder auf der Terrasse.