Geld – besser als sein Ruf

Ohne Geld gäbe nichts von dem, was unser Leben angenehm macht. Wir erklären, warum.

Wertgarantie: Römische Goldmünze mit dem Bildnis des Kaisers Trajan

Wertgarantie: Römische Goldmünze mit dem Bildnis des Kaisers Trajan

„Geld verdirbt den Charakter” – Solche Redewendungen zeigen: Geld hat ein Imageproblem. Schon Jesus mochte keine Reichen. Und im 20. Jahrhundert schickten die Kommunisten sie in Umerziehungslager. Geld wollten sie am liebsten abschaffen. Doch daraus wurde nichts. Denn ohne Geld würde unsere Welt nicht funktionieren: Ohne Geld keine Städte, keine Berufe, kein Verkehr, keine Maschinen und kein Online-Shopping.  

Die Grenzen des Tauschhandels

Ohne Geld nicht möglich: Märkte in Budapest und Hyderabad
© links: giovanni-pellizzari, rechts: Ashish Agrawal

Ohne Geld nicht möglich: Märkte in Budapest und Hyderabad

Die längste Zeit ihrer Geschichte kamen die Menschen ohne Geld zurecht. Sie lebten in kleinen Gruppen, versorgten sich weitgehend selbst und unterstützten sich gegenseitig. Ein paar wenige Dinge, die sie nicht in ihrer Umgebung fanden, tauschten sie mit Fremden.

Mit der Entstehung der ersten Städte änderte sich das. Städter konnten sich nicht mehr selbst mit Nahrungsmitteln versorgen. Stattdessen spezialisierten sie sich: Der eine verlegte sich auf die Schuhmacherei, der andere aufs Schmieden. Es entstanden unterschiedliche Berufe und eine große Zahl von Dienstleistungen und Waren. Der Tauschhandel wurde kompliziert. Die Menschen mussten den Wert jeder Ware in Bezug zu allen anderen Waren festlegen und im Kopf behalten, also: wieviele Karotten ist ein Kochtopf wert, wieviele Eier kostet ein Hut und so weiter. Und es wollte auch nicht jeder das, was der andere ihm anzubieten hatte. Der Schuhmacher hatte keinen Platz für die Ziege, die ihm derBauer für ein Paar Schuhe anbot.

Die Erfindung des Geldes

Daher begannen unterschiedliche Kulturen sich auf ein von allen akzeptiertes Tauschmittel zu einigen. Das konnte alles mögliche sein. Als besonders praktisch erweisen sich Dinge, die sich gut aufbewahren und transportieren ließen wie Muscheln, Perlen, Silber oder Gold. Im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurde schließlich in der heutigen Türkei im Auftrag eines Königs die erste Münze geprägt. Mit der Prägung wurde das Gewicht der Münze und ihr Gehalt garantiert. Damit musste das Metall nicht mehr wie zuvor umständlich abgewogen werden. Und die Nutzer konnten sich darauf verlassen, dass die Münze tatsächlich aus Gold oder Silber bestand. Das Prinzip, dass eine staatliche Autorität den Wert des Geldes garantiert, hat sich bis heute erhalten.

Die Welt wächst zusammen

Vom Papiegeld zur kontaktlosen Bezahlung: Geld wird abstrakter.

Vom Papiegeld zur kontaktlosen Bezahlung: Geld wird abstrakter.

Das Geld ermöglichte den Austausch von Waren über weite Entfernungen hinweg. So wie einzelne Menschen konnten sich nun auch Dörfer, Städte oder Regionen auf die Herstellung und den Verkauf einzelner Produkte konzentrieren, zum Beispiel auf den Anbau von Wein, wenn die Bedingungen dafür günstig waren. Im Gegenzug wurden Gewürze aus Indien oder Seide aus China eingekauft. Um den Handel zu befördern, wurden Straßen und Schiffe gebaut und Karawanenrouten etabliert. Der Kapitalismus Vor ungefähr 500 Jahren begann ein neues Kapitel. Man stellte fest, dass man Geld nicht nur verprassen, sondern dafür verwenden konnte, noch mehr Geld zu verdienen. Geld wurde in Form von Krediten in Unternehmungen wie zum Beispiel die Eroberung von Kolonien investiert. Es wurde für Dinge ausgegeben, die es noch gar nicht gab, aber einen Profit in der Zukunft versprachen.

Kaptilismus: Wohlstand durch Umweltzerstärung

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Plötzlich konnten auch Menschen zu Geld kommen, die nichts hatten außer einer guten Idee. Das führte zu tollen Erfindungen, Fabriken, einem gigantischen Wachstum der Wirtschaft, Wohlstand für immer mehr Menschen – und immer mehr Geld.

Die Kehrseite der Medaille: Was nichts kostet, ist nichts wert. Dumm für unsere Erde, deren Ressourcen wir zerstören, ausplündern und verfeuern. Mit den bekannten Folgen. Aber auch dieses Problem lässt sich vielleicht mit Geld lösen: Mit einem Preis für den CO2-Ausstoß.