Die Stromrevolution

Staaten, Gemeinden und Hausbesitzer wollen sich von unsicheren und schwer zu kontrollierenden Energiequellen unabhängig machen. Innovative Speicherlösungen und intelligente Stromnetze sind daher die Grundlage für die Zukunft der Stromversorgung.

Die Freude über seinen bevorstehenden Scoop war Elon Musk an diesem 1. Mai sichtlich anzumerken. Der Chef von Tesla Motors hatte vor Kunden, Investoren und Journalisten den ersten Teil seiner Rede zur Lage der weltweiten Energieproduktion mit den Worten "das nervt" abgehakt. Statt auf fossile Brennstoffe und Atomkraft zu setzen, wäre es doch besser, die Sonne zu nutzen, "die einfach funktioniert und jeden Tag lächerliche Mengen an Energie produziert", so Musk. Das Problem: Es gibt noch keine gute Lösung, um diese Energie zu speichern. Jetzt wolle er das fehlende Stück präsentieren.

Innerhalb von 15 Jahren gelang es, die einst ärmste Region zu einem hohen Lebensstandard und einer großen Lebensqualität zu bringen.

Sonne statt fossiler Brennstoffe und Atomkraft. Aber was passiert in der Nacht?
© HowardOates / iStock

Sonne statt fossiler Brennstoffe und Atomkraft. Aber was passiert in der Nacht?

Weltweites Vorbild: das Biomasse-Kraftwerk (l.) und die Methanisierungsanlage (r.) in Güssing
© EEE GmbH

Weltweites Vorbild: das Biomasse-Kraftwerk (l.) und die Methanisierungsanlage (r.) in Güssing

© EEE GmbH

Ein über die Grenzen Österreichs hinaus bekanntes Beispiel für Energieautarkie ist die Gemeinde Güssing im Burgenland. Hier entstand 1996 mit Fördergeldern der EU das Europäische Zentrum für Erneuerbare Energie (EEE). Damit wurden zunächst Arbeitsplätze in der Region geschaffen und der Kaufkraftabfluss durch Energieimporte gebremst. Ein Biomasse-Fernheizwerk, eine Biodieselanlage und ein weltweit einzigartiges Biomasse-Kraftwerk kamen hinzu. 2005 schließlich erzeugte Güssing in der Jahresbilanz mehr Wärme und Strom aus nachwachsenden Rohstoffen als die Stadt selbst benötigte. Innerhalb von 15 Jahren gelang es, die einst ärmste Region zu einem hohen Lebensstandard und einer großen Lebensqualität zu bringen.

Ein Speicher mit
Wohnzimmerqualitäten

Wer sich von externen Energielieferanten abkoppelt, spart auf Dauer Geld. Das ist die einfache Formel, die auch Hausbesitzer auf dem Weg zur Energieautarkie antreibt. Zwar sind die Strompreise in den vergangenen Jahren in Österreich stabil geblieben, die gestiegenen gesetzlichen Abgaben auf Lieferung und Verbrauch führten aber zu einem Anstieg des Bruttopreises. Ausnahme: für den Eigenbedarf erzeugte elektrische Energie. Sie bleibt bis zu einer Grenze von 25.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr von der Besteuerung verschont. "Mit dieser Regelung ist der Ausbau der Photovoltaik-Anlagen sichergestellt", stellt Bundesumweltminister Andrä Rupprechter klar.

Das ist aber nur die eine Hälfte der Lösung. "Wir müssen die Energie speichern, damit wir sie auch in der Nacht nutzen können“, so Elon Musk bei seiner Präsentation im hauseigenen Design-Zentrum weiter. Herkömmliche Batterien seien aber teuer, hässlich, unzuverlässig, "in jeder Hinsicht schlecht". Und da kommt Tesla ins Spiel. Als Produzent von Elektroautomobilen kennt sich das Unternehmen mit Batterien aus. Tesla weiß, wie man Autos mit Strom auf 250 Kilometer pro Stunde beschleunigt und bis zu 500 Kilometer weit bringt.

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Tag der Zukunft: Am 1. Mai 2015 präsentierte Tesla-Chef Elon Musk die Powerwall

 

Garage der Zukunft: Nach der Vorstellung von Tesla liefert die Powerwall den Strom für das Elektroauto Model S.
© Tesla Motors

Garage der Zukunft: Nach der Vorstellung von Tesla liefert die Powerwall den Strom für das Elektroauto Model S.

Diese Technik soll nun von der Straße in die Häuser kommen – 100 Kilogramm schwer, 130 Zentimeter hoch, 86 Zentimeter breit und 18 Zentimeter tief. Musk präsentiert die Tesla Powerwall, eine völlige Neuinterpretation der Hausbatterie, die sich wie eine Skulptur an die Wand hängen lässt. Mit sieben kWh beziehungsweise zehn kWh bieten die Powerwall-Modelle laut Tesla "ausreichend Kapazität, um die meisten Privathaushalte während Spitzenlastzeiten mit selbst erzeugtem Strom zu versorgen". Mit einem klaren Design und verschiedenen Farbvarianten will Tesla raus aus dem Keller, rein ins Wohnzimmer. Reservierungen sind auf der Website des Unternehmens bereits möglich, die Auslieferung erfolgt Ende 2015.

Der Markt für stationäre Energiespeicher kommt in Bewegung. Nach Tesla hat nun auch Daimler angekündigt, Speicher für Privathaushalte anzubieten. Damit erhöht sich der Druck auf die großen Energieversorger, deren Kerngeschäft der Betrieb großer Kraftwerke ist. "Wenn die Batterie für den Eigenbedarf billiger wird, kann diese Technologie durchaus zu einer ernsthaften Herausforderung für das klassische Modell der Energieversorger werden", sagt zum Beispiel der US-Energieminister Ernest Moniz.

„Es ist möglich, auf erneuerbare Energie zu setzen und trotzdem eine stabile Stromversorgung zu gewährleisten.„Michael Strebl, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH

WERDE ENERGIEUNABHÄNGIG

Zuhause gibt es immer etwas zu verschönern oder zu verbessern. Planst du eine Photovoltaikanlage oder willst du dein Haus energieeffizient sanieren? Für diese Vorhaben gibt es das MEIN GELDDARLEHEN von Wüstenrot. Der Service kann nicht nur für  Sanierungsmaßnahmen, sondern auch als Ergänzungsfinanzierung für ein bestehendes Darlehen genutzt werden. Die Wüstenrot Berater informieren dich persönlich und über mögliche Förderprogramme. 

Weitere Informationen

Intelligent vernetzt: Die Gemeinde Köstendorf im Flachgau testet Smart Grids mit dem Ziel, die dezentralen Erzeugerhaushalte in ein regeneratives Energiesystem einzubinden.
© Köstendorf_Credit_Salzburg AG

Intelligent vernetzt: Die Gemeinde Köstendorf im Flachgau testet Smart Grids mit dem Ziel, die dezentralen Erzeugerhaushalte in ein regeneratives Energiesystem einzubinden.

Einer für alle –
intelligente Netze

Effiziente Batteriespeicher gleichen aber nicht nur Lastspitzen aus und erhöhen die Verfügbarkeit des Sonnenstroms, sondern sind auch ein wichtiger Bestandteil der Netzintegration. Ziel ist es, nach und nach die unzähligen dezentralen Erzeugerhaushalte in ein regeneratives Energiesystem einzubinden. Als Bindeglied dienen sogenannte Smart Grids, intelligente Stromnetze, die das wetterabhängige, schwankende Energieangebot stabilisieren.

Zwei Pilotprojekte der Salzburg Netz GmbH sorgen seit zwei Jahren für wichtige Erkenntnisse. Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft sowie dem Austrian Institute of Technology (AIT), der Technischen Universität Wien und der Fachhochschule Salzburg testet die Tochtergesellschaft der Salzburg AG Smart Grids in der Praxis: Zum einen kommen in Köstendorf, einer Gemeinde im Flachgau, intelligente Stromnetze zum Einsatz. Zum anderen ist mit der „Rosa Zukunft“ eine auf Smart-Grids-Anwendungen optimierte Wohnanlage in der Stadt Salzburg entstanden. Hier steuert eine Energiezentrale die Versorgung von 130 Wohneinheiten. Das Fazit von Michael Strebl, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH: "Es ist möglich, auf erneuerbare Energie zu setzen und trotzdem eine stabile Stromversorgung zu gewährleisten."

Die Fragestellung für die Projektbetreiber ist klar: Wie können die Erkenntnisse für größere Regionen und Städte mit 100.000 Einwohnern und mehr adaptiert werden? Das AIT arbeitet bereits mit seinem Team im Rahmen europäischer Forschungsprojekte an Methoden für einen großflächigen Rollout der Smart-Grid-Technologien.

Und auch Tesla hat den Grundstein für diese Zukunft schon gelegt. Im Tahoe Reno Industrial Center, einem Industriegelände im Storey County im US-Bundesstaat Nevada entsteht derzeit eine Gigafactory zur Produktion von Energiespeichern. Auf die Frage nach der Realisierung der Energieautarkie gibt es für Elon Musk nur eine Antwort: "Das müssen wir tun, das können wir tun, und wir werden es tun."

Batterieproduktion ab 2017 im großen Stil: Mit einer Fabriknutzfläche von einer Million Quadratmetern wird Teslas Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada das größte Fertigungsgebäude der Welt sein.
© Tesla Motors

Batterieproduktion ab 2017 im großen Stil: Mit einer Fabriknutzfläche von einer Million Quadratmetern wird Teslas Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada das größte Fertigungsgebäude der Welt sein.