Unter Strom:
Das musst du beim Kauf eines Elektroautos beachten

Am 16. September ist Tag des Elektromobils. Wer umsteigen will, muss aber einiges beachten.

Strom tanken an der Ladesäule: 416 Stromtankstellen wurden 2017 in Österreich gezählt.

Strom tanken an der Ladesäule: 416 Stromtankstellen wurden 2017 in Österreich gezählt.

Bis Ende Juni diesen Jahres zählten Österreichs Straßen 17.651 Elektromobile, über 3.500 Neuzulassungen gab es allein von Januar bis Juli 2018. Der Grund: Elektromobile sind leise, schnell und im Vergleich zum Verbrenner sauber. Der Verzicht auf Feinstaub, Abgase und Lärm hat auch einige europäische Nachbarn dazu veranlasst, die Elektromobilität auch gesetzlich zu fördern: Ab 2025 müssen alle Neufahrzeuge in Norwegen emissionsfrei sein, Frankreich und Großbritannien planen ein ähnliches Verbot für den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab 2040. Schon jetzt sind die ersten Folgen spürbar: Ab 2019 will Volvo nur noch Hybrid- und Elektroautos produzieren, andere Hersteller dürften in den kommenden Jahren gleichziehen. Für Verbraucher bedeutet das vor allem mehr Auswahl. Aber worauf kommt es beim Kauf eines Elektroautos eigentlich an?

Förderung

Die hohen Kosten sinken ein wenig mit einem Förderungsantrag. Für einen neuen Elektro-Pkw erhalten Privatpersonen 4.000 Euro Förderung, sofern der Brutto-Listenbreis 50.000 Euro nicht übersteigt. Die Einwohner Niederösterreichs und Steiermärker erhalten zusätzlich 1.000 Euro Unterstützung. Die Registrierung ist bis zum 31. Dezember dieses Jahres unter emob.klimafonds.gv.at möglich.

Reichweite einschätzen

Strom laden dauert länger als tanken. Abhilfe schaffen High-Speed-Ladepunkte, die aber nicht überall verfügbar sind. Wer einkaufen fährt, sollte deshalb die Autostandzeit zum Laden nutzen.
© Klima- und Energiefonds

Strom laden dauert länger als tanken. Abhilfe schaffen High-Speed-Ladepunkte, die aber nicht überall verfügbar sind. Wer einkaufen fährt, sollte deshalb die Autostandzeit zum Laden nutzen.

Der Kostentreiber bei E-Autos ist der Akku. Vor allem bei diesem Bauteil solltest du nicht sparen. Denn je länger der Akku im Betrieb ist, desto stärker sinkt die maximale Kapazität. In acht bis zehn Jahren büßt ein Akku schnell bis zu 40 Prozent Leistung ein. Außerdem sind die Angaben der Hersteller meist nicht realistisch. Informiere dich also vor dem Kauf über die Reichweite im Realbetrieb.

Wartung und Betrieb

Fast schon eine Rechtfertigung für den im Vergleich höheren Anschaffungspreis sind die Wartungskosten von Elektroautos. Diese sind nämlich deutlich geringer, da es weniger Verschleiß gibt. Beispielsweise beanspruchen Elektroautos die Bremsen durch Bremsenergie-Rückgewinnung weniger. Auch der Ölwechsel entfällt. Da weniger getauscht und überprüft wird, ist auch die Inspektion günstiger. Und natürlich kostet der reine Kilometer weniger. Ein Beispiel: Bei einem Durchschnittspreis von 16 Cent pro Kilowattstunde kostet ein Kilometer im VW e-Golf etwa zwei Cent. Bei 1,16 Euro pro Liter Normal kommt ein ähnliches Modell mit Benzin-Motor auf etwa 5,6 Cent. Eventuell bekommst du den Strom für die Fahrt nach Hause beim Arbeitgeber sogar umsonst.

Akku mieten statt kaufen

Kostenfaktor Akku: Eine Alternative zum Kauf ist das Mietmodell. Vorteil: Bei Defekt wird der Akku gleich ausgetauscht.

Kostenfaktor Akku: Eine Alternative zum Kauf ist das Mietmodell. Vorteil: Bei Defekt wird der Akku gleich ausgetauscht.

Derzeit sind Elektroautos noch deutlich teurer als Verbrenner mit ähnlicher Ausstattung. Der Grund ist der bereits genannte Akku: Eine Kilowattstunde Batteriekapazität kostet derzeit etwa 168 Euro. Ein Akku mit 35 kWh kostet demnach fast 6.000 Euro. Aber: Die Preise sinken. 2015 zahlen Käufer noch 275 Euro/kWh, bis 2020 sinkt der Preis auf voraussichtlich 108 Euro. Einige Hersteller bieten schon jetzt eine günstige Lösung an: Mieten statt kaufen. Das ist zwar langfristig teurer, dafür sinkt der Anschaffungspreis und du musst dir um Defekte keine Sorgen machen.

Ladestation an den wichtigsten Orten

Ladesäulen finden: Das Unternehmen Smatrics baut in Österreich das Netz der Ladesäulen aus. Praktisch: Die Säulen werden per App angezeigt.
© Klima- und Energiefonds

Ladesäulen finden: Das Unternehmen Smatrics baut in Österreich das Netz der Ladesäulen aus. Praktisch: Die Säulen werden per App angezeigt.

Im vergangenen Jahr gab es in Österreich 416 Stromtankstellen, Tendenz steigend. Aber: Verlass dich nicht auf den baldigen Ausbau und prüfe, ob an wichtigen Orten wie deinem Arbeitsplatz eine Stromtankstelle vorhanden ist. Achte dabei auf den Steckertyp und die Leistung. Eine Übersicht der Stromtankstellen in Österreich findest du unter anderem auf der Seite von Smatrics, das Unternehmen baut ein Ladenetz in Österreich aus. Und falls deine Gemeinde oder Arbeitgeber noch keine Ladesäule hat, lohnt sich eventuell die Anschaffung: Bis 31. Dezember fördert das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus öffentliche Ladesäulen mit bis zu 10.000 Euro.

Versicherung

Wie auch beim Diesel oder Benziner musst du für dein Elektroauto eine KFZ-Haftpflichtversicherung abschließen, um für Schäden bei Dritten aufkommen zu können. Eine Teil- und Vollkaskoversicherung ist keine Pflicht, bei einem Neuwagen aber empfehlenswert. Der wichtigste Unterschied zur Versicherung eines Verbrenners: Bei vielen Versicherungen erhalten Elektrofahrer eine stattliche Prämie. Vergleichen lohnt sich.

Achtung: Wertverlust

Der Wertverlust ist vor allem bei Neuwagen beträchtlich. Das gilt auch bei Elektroautos. Nach etwa drei Jahren liegt der Wertverlust zwischen 40 und 50 Prozent. Da der Kaufpreis höher ist als bei Verbrennern, kann der absolute Verlust aber trotzdem höher liegen. Vergleiche also den Wertverlust deines Elektroautos. Sparfüchse entscheiden sich direkt für einen Gebrauchten. Wichtig beim Gebrauchtwagenkauf eines E-Autos: Achte auf den Zustand des Akkus. Hier ergibt sich möglicherweise noch ein Verhandlungsspielraum.

Sonderrechte für E-Autos

Ein kleines Schmankerl gibt’s für E-Fahrer in Österreich: ein weißes Kennzeichen mit grüner Aufschrift. Das grüne Nummerntaferl verschafft in einigen Kommunen Vorteile wie Gratisparken oder die Nutzung der Busspur. Weitere Vorteile könnten als Anreiz in Zukunft noch dazukommen.