So sieht die Zukunft der Mobilität aus

Das Auto, wie wir es kennen, hat ausgedient. Nachhaltige Antriebe und neue Formen der Mobilität werden die klassischen Kraftfahrzeuge langfristig ersetzen.

Fließbandfertigung 1913 bei Ford

Fließbandfertigung 1913 bei Ford

Mit dem Automobil begann die massenhafte Individualmobilität: Als die ersten Ford Modell T Anfang des 20. Jahrhunderts vom Fließband liefen, war das der Start für einen echten Aufbruch - sozial wie wirtschaftlich. Henry Ford behielt recht, als er sagte: „Das Modell T hat die Welt verändert.“ 

Mittlerweile betrachten viele das klassische Auto als Hindernis für ein nachhaltiges Leben – aus zwei Gründen. Da ist zum einen der Klimawandel: Der Verkehr ist in Österreich seit Langem das größte Sorgenkind in der Klimapolitik. Er macht rund ein Drittel der nationalen Treibhausgasemissionen aus. Zudem sind die Verkehrsemissionen seit 1990 um 74 Prozent gestiegen. 

Auf zwei Einwohner kommt ein Auto

Vertkehr: ein Drittel der nationalen Treibhausgasemissionen

Vertkehr: ein Drittel der nationalen Treibhausgasemissionen

Und da ist zum anderen die Dominanz des Autos in unseren Städten: Immer mehr Autos sind unterwegs. Seit 1960 wächst der Bestand an Pkw nahezu kontinuierlich. 2020 waren rund 5,09 Millionen Autos in Österreich für den Straßenverkehr zugelassen, auf 1.000 Einwohner kommen mittlerweile 572 Pkw. Die Folge: Staus, Umweltverschmutzung, Flächenversiegelung und ein Verlust an Lebensqualität.

Antriebstechnik der Zukunft

Nun aber soll sich das ändern. Österreich und die EU engagieren sich dafür, den Verbrennungsmotor zu verbannen. Die Europäische Union hat im Klimaplan „Fit for 35“ beschlossen, dass ab 2035 nur noch Autos mit elektrischen oder alternativen Antrieben zugelassen werden. Noch ist nicht ganz geklärt, welche Techniken für die Antriebe der Zukunft eingesetzt werden. Batterieelektrik, Brennstoffzellen oder gar Verfahren, die noch gänzlich unbekannt sind? Bei kleineren Autos werden sich sicher batterieelektrische Lösungen durchsetzen. Anders sieht es bei schweren Fahrzeugen und Transportmitteln aus: Lkw, Eisenbahnen oder Flugzeuge und Schiffe brauchen abseits von Oberleitungen eine enorme Energiedichte, die heutige Speicher nicht liefern können.  

E-Motoren sind schon weit verbreitet

Elektromotor (links) und Dieselmotor (rechts)

Elektromotor (links) und Dieselmotor (rechts)

Im öffentlichen Verkehr ist Elektromobilität längst Realität: Straßenbahnen, U-Bahnen und die meisten Züge fahren elektrisch. In einigen Städten werden auch Busse über Oberleitungen mit Strom betrieben. Außerdem sind batterieelektrische Busse oder Wasserstoffbusse im Testbetrieb im Einsatz.

Mittlerweile nehmen auch bei Pkw die Elektro-Zulassungen zu: Ende Jänner 2022 gab es 78.434 rein elektrisch betriebene Autos, das sind 1,5 Prozent des gesamten Bestands in Österreich. Das mag noch wenig klingen. Aber für den deutschen Markt sagt das Statistikportal Statista voraus, dass im Jahr 2030 vermutlich 72 Prozent der Neuzulassungen elektrisch sein werden. Ähnlich dürfte sich der Markt hierzulande entwickeln. Dafür wird der Kauf von Fahrzeugen mit alternativen Antriebsformen vom Staat weiterhin finanziell gefördert. 2022 erhalten private Käufer für batterieelektrische und Brennstoffzellenfahrzeuge bis zu 5.000 Euro.

Viele Städte sperren die Zufahrt

"Congestion Charge": Citymaut in London

"Congestion Charge": Citymaut in London

Die Umstellung auf elektrische Mobilität bedeutet allerdings nicht, dass freie Fahrt weiterhin überall möglich sein wird. Um ihre Innenstädte nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten, reglementieren viele Städte die Zufahrt, erst für Diesel, dann für die übrigen Verbrenner, künftig möglicherweise für den gesamten Privatverkehr. Die Citymaut in London erhöht schon seit vielen Jahren die Lebensqualität in der City. Paris geht noch weiter: Die Stadt ist entschlossen, das Zentrum schon in Kürze autofrei werden zu lassen. Nur noch Lieferwägen, Taxis und Reisebusse dürfen zirkulieren. 

Funktionierende Alternativen 

Brücke für Radfahrer und Fußgänger in Kopenhagen

Brücke für Radfahrer und Fußgänger in Kopenhagen

Solange es Alternativen zum Auto gibt, kommen solche Planungen bei der Stadtbevölkerung gut an. Paris hat ein hervorragendes Schnellbahn- und Metronetz. In Kopenhagen wurden mehrspurige Fahrradschnellstraßen gebaut. Und auch in Wien wird das Radwegenetz ausgebaut. Bis 2025 sollen 80 Prozent der Wiener Wege mit Öffentlichen, dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden. Und für Fahrten zwischen den Städten oder ins Umland sollen Zug- und Busverbindungen ausgebaut oder modernisiert werden. Sogar das automatisierte Fahren wird mittlerweile in Österreich getestet: In wenigen Jahren könnten autonome Fahrzeuge auf den Straßen und Schienen unterwegs sein.

Das Auto ist kein Statussymbol mehr

Gleichzeitig zirkuliert die Idee vom grundsätzlichen Abschied vom eigenen Auto: Sharing ist in – niemand muss mehr ein Auto besitzen, sondern weniger Fahrzeuge werden von mehr Fahrern gemeinschaftlich genutzt. Viele junge Menschen, vor allem in Großstädten, erwerben immer später ihren Führerschein. Sie haben sich vom eigenen Auto als Statussymbol verabschiedet und nutzen eher Sharingangebote, Fahrräder oder den öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

Plattformen und Mobility-as-a-Service

Bahnhof und Carsharing in Wien
©rechts: eloop

Bahnhof und Carsharing in Wien

Lösungen wie Mobility-as-a-Service (MaaS) kommen dem entgegen. Solche Services verknüpfen verschiedene Mobilitätsdienstleistungen und Transportmittel wie den öffentlichen Personennahverkehr mit Mietwagen oder e-Scootern und Carsharing-Angeboten. Künftig werden Plattformen wie die Wegfinder-App der ÖBB mit Sicherheit beliebter und wichtiger werden, um die verschiedenen Fortbewegungsmittel perfekt zu kombinieren. Die Idee eines Klimatickets, das für 1.095 Euro im Jahr die Nutzung von Bussen, Straßen- und Eisenbahnen eröffnet, ist da sicher eine gute Sache. Nur müssen Bahn und Bus auch fahren …