Entspannt auf der Straße:
Die selbstfahrenden Autos kommen

Schon im nächsten Jahrzehnt sollen die Roboterautos unsere Straßen erobern und für mehr Sicherheit sorgen. Vorher muss aber das Gesetz geändert werden ...

Marktreife nicht vor 2020: Etablierte Autohersteller wie Mercedes lassen sich Zeit.
© Mercedes

Marktreife nicht vor 2020: Etablierte Autohersteller wie Mercedes lassen sich Zeit.

„Oh mein Gott, es wechselt von alleine die Spur!“, der YouTuber Michael Ballaban vom Online-Portal Jalopnik kommt aus dem Staunen kaum noch heraus. Er sitzt in einem Tesla Model S und lässt sich per Autopilot durch New York City fahren. „Ich habe auf die Bremse gedrückt, aber ich hätte es nicht tun müssen. Ich war wohl nervös geworden. Das Auto hat bemerkt, oh, da ist etwas vor mir, aber es wurde von alleine langsamer. Das ist unglaublich!“ Schon mehr als vier Millionen Menschen haben sein YouTube-Video über die Erfahrung in dem teilweise selbstfahrenden Auto gesehen. Und doch ist diese Art Technik nur der erste Schritt auf einem Weg hin zu komplett eigenständigen Roboterfahrzeugen. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts werden etablierte und neu entstehende Autohersteller ihre vollständig autonomen Wagen ohne Fahrer auf den Markt bringen. Dann heißt es irgendwann für jeden von uns: einsteigen und entspannen. Doch hier geht es nicht nur um Komfort. Auch die Sicherheit steht ganz groß auf der Agenda.

Jeder Hersteller hat eine eigene Vision

Google forscht seit 2003 an der Technologie für selbstfahrende Autos und hat nach Tests mit einem Modell von Lexus inzwischen eigenständig verschiedene Prototypen entwickelt. Die aktuelle Version aus dem vergangenen Jahr sieht ein bisschen aus wie eine überdimensionale Computermaus. Während andere Unternehmen in ihren Autos dem Fahrer noch die Möglichkeit lassen, selbst wieder ans Steuer zu gehen, entwickelt Google sein Fahrzeug komplett ohne Lenkrad. Das brauche man nicht mehr, da der Konzern der Technik mehr vertraut als dem Menschen: „Mit 360-Grad-Sicht und 100 Prozent Aufmerksamkeit in alle Richtungen zu jeder Zeit können unsere neuesten Sensoren andere Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger bis zu einer Entfernung von fast zwei Fußballfeldern verfolgen.“ Auf den Markt kommen soll das Auto zwischen 2017 und 2020.

Auch der iPhone-Konzern Apple arbeitet angeblich an einem Auto. Die Gerüchte reichen hier von einem Elektroauto bis zu einem selbstfahrenden Modell. Offiziell bestätigt ist davon bisher noch nichts. Die Gerüchte entstanden, weil der deutsche Ingenieur Johann Jungwirth für das geheime „Projekt Titan“ von Mercedes zu Apple gewechselt war. Nach kurzer Zeit wurde er jedoch von Volkswagen wieder abgeworben. Dennoch soll das Auto bis zum Jahr 2019 fertig sein.

Der Tesla Model 3 soll 2017 zum Preis von 35.000 US-Dollar mit Autopilot auf den Markt kommen. In den Fahrprozess kann man dennoch jederzeit eingreifen.
© Tesla Motors

Der Tesla Model 3 soll 2017 zum Preis von 35.000 US-Dollar mit Autopilot auf den Markt kommen. In den Fahrprozess kann man dennoch jederzeit eingreifen.

DER ERFOLG VON TESLA

Während andere Autohersteller bis 2020 ihre autonomen Fahrzeuge auf den Markt bringen wollen, überbrückt Tesla  die Wartezeit und präsentiert sein Model 3: ein Elektroauto, das mit einer Ladung bis zu 344 Kilometer weit fährt. Der Preis soll sich auf 35.000 US-Dollar belaufen – ein Kampfpreis für E-Autos. Mit an Bord ist die unterstützende Autopilotfunktion. Ein Tesla fährt alleine, erkennt den Verkehr und passt die Geschwindigkeit an. Damit mischt der Hersteller ab 2017 den Massenmarkt auf und könnte den selbstfahrenden Autos viele Fans bescheren. 

Der F015 von Mercedes bietet Entspannung und tolles Design, darf aber in Österreich nicht fahren.
© iStock | Tramino

Der F015 von Mercedes bietet Entspannung und tolles Design, darf aber in Österreich nicht fahren.

SKEPSIS ÜBERWIEGT

Laut einer Mobilitätsstudie der VAV Versicherungs-AG stehen die Österreicher den Fahrzeugen ohne Fahrer eher skeptisch gegenüber. Der Großteil der Befragten ist sich sicher, ein solches Auto nicht nutzen zu wollen. „Die Menschen haben Angst davor. Ich glaube, das autonome Fahren wird genauso zur Zukunft gehören wie das E-Auto. Das wird das Autofahren sicherer, bequemer und umweltfreundlicher machen", sagt der Generaldirektor der VAV Norbert Griesmayr. Für die Studie wurden im Januar 2016 1.000 Personen (516 Frauen und 484 Männer) befragt.

Der F015 von Mercedes ist schon rein optisch ein Auto der Zukunft. Und Mercedes möchte nicht nur ein Auto bauen, das selber fahren kann. Es wird eher eine Art mobiles Büro oder Entspannungsparadies – je nachdem, was man auf einer Autofahrt am liebsten hätte. Die Innenausstattung gleicht einem Luxuszimmer: drehbare Sessel, Displays in den Wänden und ein digitaler Konferenztisch, der zwischen den vier Sitzen hochfährt. Die Daimler-Entwickler rechnen mit einer Marktreife im Jahr 2020. Doch mit der Vorstellung des neuen Tesla Model 3 (siehe Infobox), der dank Autopilot schon jetzt autonom durch den Vekehr navigiert, könnte das zu spät sein. Der Konkurrenzdruck ist groß, denn andere Hersteller, wie zum Beispiel Audi, Volvo oder Volkswagen, tüfteln ebenfalls an eigenen autonomen Fahrzeugen. 

Noch keine autonomen Autos auf unseren Straßen

Von der fehlenden Marktreife einmal abgesehen, steht in Österreich noch das aktuelle Verkehrsrecht im Weg. Doch irgendwann in diesem Jahr soll es nun auch hier Teststrecken für selbstfahrende Autos geben. Das teilte der frühere Verkehrsminister Alois Stöger im vergangenen August zum Auftakt der Alpbacher Technologiegespräche mit. In der Diskussion sind vor allem die Steiermark (die A2 bei Graz), aber auch Oberösterreich und Tirol. Noch im Frühjahr soll eine Entscheidung getroffen werden. In Kalifornien konnte Stöger schon selbst im Google-Auto sitzen: „Die Entscheidungen waren richtig und besser, als wenn ich gefahren wäre“, sagte er nach seiner Testfahrt.

Die derzeitige Straßenverkehrsordnung erlaubt bisher das Fahren eines Autos nur durch eine behördliche Lenkerberechtigung, die an natürliche Personen erteilt wird. Selbstfahrende Autos sind dadurch komplett ausgeschlossen. Hier muss zunächst eine rechtliche Ausnahme für die Roboterautos geschaffen werden, bevor diese neben Teststrecken auch auf normalen Straßen fahren dürfen. Bis zur Jahresmitte soll die noch von Stöger beauftragte Austria Tech eine Lösung für autonome Autos im normalen Straßenverkehr erarbeitet haben.

Neben dem Punkt, ob sie überhaupt fahren dürfen, stellt sich die Frage nach der Haftung bei einem Unfall. Normalerweise ist der Unfallverursacher menschlich. Was aber, wenn das Fahrzeug ein Signal falsch interpretiert oder der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass ein Hacker das Auto mit einem anderen kollidieren lässt? Muss dann der Fahrzeugbesitzer haften? Die Hersteller der selbstfahrenden Autos stellen sich die Frage eher selten. Schließlich werben sie damit, besonders sicher zu sein und Unfälle vermeiden zu können. Um den Kunden diese Ungewissheit zu nehmen, hat Volvo als erster Autohersteller angekündigt, für jeden Schaden aufzukommen, der durch einen Fehler ihrer selbstfahrenden Autos entsteht.

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Michael Ballaban testete das Tesla Model S mit Autopilot und war restlos begeistert.