Endlich Zeit zum Lesen – 6 Buchtipps für den Sommer

Der Urlaub ist die schönste Gelegenheit zum Bücherlesen. MEIN LEBEN hat Buchhändler und Literaturexperten nach ihren Empfehlungen gefragt.

Sommerurlaub: Zeit zum Bücher Lesen

Sommerurlaub: Zeit zum Bücher Lesen

Für viele Menschen gehören Bücher zum Urlaubserlebnis. Man kommt ja sonst nicht dazu. Endlich mal weg vom Bildschirm, von den neuesten Nachrichten, dem hektischen Chatten, Mailen und Texten. Stattdessen haben wir jetzt endlich einmal die Zeit, uns zu konzentrieren und einzulassen auf ein Buch – oder mehrere.

Von zwei Literaturhäusern und zwei Buchhandlungen wurden uns spannende, unterhaltsame und lehrreiche Neuerscheinungen empfohlen. Beide Buchhandlungen sind Preisträger des österreichischen Buchhandlungspreises 2021.

Literaturhaus Salzburg

Im 400 Jahre alten denkmalgeschützten Hof am Rand der Altstadt ist in Salzburg die Literatur zu Hause. Bei jährlich über 200 Veranstaltungen kommt dort "das Leben zur Sprache". Thomas Friedmann ist Leiter und Geschäftsführer des Salzburger Literaturhauses. Kurz vor seinem Urlaub hat er uns noch diesen Tipp übermittelt:

Franzobel: Die Eroberung Amerikas, Zsolnay Verlag, 544 Seiten, 26 Euro

©Zsolnay Verlag

Der aktuelle Roman des vielfach preisgekrönten österreichischen Autor Franznobel beschäftigt sich mit der blutigen  Eroberung Amerikas durch die Spanier. Hauptfigur ist eine reale historische Gestalt: der Konquistador Hernando de Soto. Soto beteiligt sich an der brutalen Unterwerfung der Inkas durch Francisco Pizarro in Peru.

1538 startet er einen eigenen Eroberungsfeldzug durch Florida. Die Expedition gerät zu einem Desaster. Seine Truppen werden durch die Kämpfen mit Ureinwohnern, von Krankheiten und Hunger aufgerieben. Franznobel erzählt die Geschichte dieses gescheiterten Eroberers als tragikomische Groteske.

 Thomas Friedmann sagt: „Die Eroberung Amerikas“ ist der ungewöhnlichste historische Roman, den ich je gelesen habe: fantastisch recherchiert, skurril und voll Humor.

 

Literaturhaus Wien

Das Literaturhaus Wien begreift sich als Zentrum für neuere österreichische Literatur. Bei rund 100 Veranstaltungen im Jahr kann man der Gegenwartsliteratur begegnen. Die Germanistin Mag. Sabine Schuster engagiert sich seit 30 Jahren für das Haus. Das sind ihre Empfehlungen:

Emily Walton: Miss Hollywood. Mary Pickford und das Jahr der Liebe, 544 Seiten, Heyne 2021, 13 Euro

© Heyne Verlag

Die österreichische Autorin Emily Walton, Jahrgang 1984, hat die fantastische Lebensgeschichte von Mary Pickford zu einem Roman verarbeitet. Er beginnt im Jahr 1916.

Es ist die Geburtsstunde Hollywoods, die große Ära des Stummfilms. Ihr Star heißt Mary Pickford. Neben Charlie Chaplin ist sie das bekannteste Gesicht Amerikas. Alle lieben ihre goldenen Locken. Als Pickford den gefeierten Schauspieler Douglas Fairbanks kennenlernt, ist es der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe. Aber von dieser Liebe darf niemand etwas erfahren.

Die Romanbiografie erzählt vom sagenhaften Aufstieg Mary Pickfords zur umjubelten Schauspielikone und zur ersten Filmproduzentin Hollywoods.

Teresa Präauer: Das Glück ist eine Bohne und andere Geschichten,312 Seiten, Wallstein Verlag 2021, 24,90 Euro

 

© Wallstein Verlag

Teresa Präauers brillant geschriebene Geschichten entwerfen ein Panorama der Gegenwart. Bunt schillernd, scharf konturiert und auf famose Weise ein kaleidoskopisches Ganzes ergebend.

Es sind Liebesgeschichten aber auch Geschichten über die Liebe zu den Dingen, die uns täglich umgeben. Sie berichten vom Snowboard-Unterricht mit Phil Collins in den Salzburger Bergen, über einen Hausbesuch von Britney Spears, von der ersten Reise nach London auf den Spuren von Jimi Hendrix. Und immer wieder geht es auch um die Literatur, die Kunst und das Internet. Maler tauchen auf, Schriftstellerinnen, Gedichte, Fernsehsendungen, YouTube-Tutorials und fünf tragisch ineinander verknotete Eichhörnchen aus Wisconsin.

Es entstehen Bilder, die so überraschend wie einleuchtend sind, so witzig wie tiefgründig. Mit Neugier und Kenntnis blickt Teresa Präauer in die Welt und lädt uns ein zum wilden Denken.

Buchhandlung Weidinger

Die Buchhandlung Weidinger in Seewalchen am Attersee wird seit 1995 vom Ehepaar Weidinger geführt. Ihr Schwerpunkt liegt neben dem Salzkammergut auf Literatur österreichischer Autoren. Von denen werden im Sommer einige auch persönlich in der kleinen Buchhandlung gesichtet. Erich Weidinger ist selbst Autor und Herausgeber zum Beispiel von Krimis, Kinder- und Jugendbüchern und außerdem passionierter Vorleser und Sagenforscher.

Doris Knecht, Die Nachricht, 256 Seiten, Hanser Verlag 2021, 22,70 Euro 

©Hanser

Dieser Roman der preisgekrönten Autorin, die im Waldviertel und in Wien lebt, erscheint Ende Juli 2021. Wir durften es bereits vorab lesen und müssen es sofort weiterempfehlen:

Vier Jahre nach dem Tod ihres Mannes lebt Ruth allein in dem Haus auf dem Land. Dort war die Familie einst glücklich. Die Kinder haben längst ihr eigenes Leben, während Ruth das Alleinsein zu schätzen lernt. Bis sie eines Tages eine anonyme Nachricht bekommt, von einer Person, die mehr über ihre Vergangenheit zu wissen scheint als sie selbst.

Doris Knecht schreibt über eine Frau, die plötzlich zur Verfolgten wird. Sie erweist sich einmal mehr als virtuose Skeptikerin zwischenmenschlicher Beziehungen. Ein Buch, in dem wirklich „G`scheites“ gut lesbar erzählt wird und das man in einem Zug durchlesen möchte. Die perfekte Sommerlektüre.

Oliver Pötzsch, Das Buch des Totengräbers, 448 Seiten, Ullstein Verlag 2021, 448 Seiten, 17,50 Euro

©Ullstein Verlag

Der bekannte deutsche Autor legt einen historischen Kriminalroman aus dem Wien der Jahrhundertwende vor. Er selber entstammt einer alten Henkersdynastie, die ihn bereits zu den Romanen der erfolgreichen Henkerstochter-Reihe inspirierte.

Augustin Rothmayer, der Protagonist seines neuen Romans, ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hochgebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet.

Ein Buch für heiße Tage, an denen das Frösteln beim Lesen willkommen ist.

Buchhandlung Brunner

Die Buchhandlung Brunner in Bregenz nennt sich auch „Lesegalerie" und ist mit über 550 qm die größte Buchhandlung in Vorarlberg. Filialen der Buchhandlung gibt es an fünf weiteren Orten im Bundesland. In den Buchhandlungen finden Buchpräsentationen namhafter lokaler und internationaler AutorInnen statt. Mitarbeiterin Carola Fessler empfiehlt:

Monika Helfer, Vati, 176 Seiten, Hanser 2021, 20,60 Euro

© Hanser Verlag

„Vati“ ist ein biografischer Roman, in dem Monika Helfer die Lebensgeschichte ihres Vaters Josef erzählt – alles, was sie dazu weiß bzw. noch herausfinden konnte. Denn der Vater verschwand irgendwann.

Carola Fessler schreibt: Eine wundervoll behutsam erzählte Geschichte über einen kriegsversehrten Mann. Monika Helfer trägt aus verschiedenen Quellen Informationen über das Leben ihres Vaters zusammen. Dies meistert sie mit einer enormen Leichtigkeit, obwohl die Themen des Buches (Nachkriegszeit und unerwartete Schicksalsschläge) alles andere als leichte Kost sind. Das Buch ist eine liebevolle Rekonstruktion einer Person, einer Zeit und ihrer Gesellschaft. Ich bekam tiefe Einblicke in die Seele der Erzählerin und ihrer Liebe zu einem gebrochenen Vater. Eine rührende Erzählung ohne Vorwürfe.