E-Bike-Boom:
Mit zweiter Kraft voraus

Coole Designs und Reichweiten bis 200 Kilometer – wer die Mobilität der Zukunft plant, kommt an E-Bikes nicht vorbei.

Es ist eines der erfolgreichsten Crowd-Investings im deutschsprachigen Raum. 1,5 Millionen Euro von mehr als tausend privaten Investoren hat das Start-up Freygeist über die Online-Plattform Companisto eingenommen. Mit dem Geld wollen die drei Wiener Jungunternehmer Martin Trink, Usama Assi und Stephan Hebenstreit ihre Vision verwirklichen und ein völlig neuartiges E-Bike auf den Markt bringen. Das Besondere: Es wiegt mit zwölf Kilogramm nur knapp die Hälfte eines normalen Elektrofahrrads, soll aber den schwereren Bikes in Sachen Leistung und Reichweite in nichts nachstehen. Zudem lässt das Design den Zusatzantrieb kaum erahnen.

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Drei Wiener revolutionieren mit Freygeist das E-Bike

Ein Leben für das E-Bike: Pionier Philippe Kohlbrenner experimentierte 1993 mit einem Scheibenwischermotor und einer Autobatterie.

Ein Leben für das E-Bike: Pionier Philippe Kohlbrenner experimentierte 1993 mit einem Scheibenwischermotor und einer Autobatterie.

Wissenswert:
Was ist ein E-Bike?

In Österreich ist vom Gesetzgeber die Leistung eines E-Bikes auf 600 Watt begrenzt. Der Motor muss sich bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h abschalten. Bikes mit höherer Leistung sind als Moped einzustufen und meldepflichtig. Wer das nicht beachtet, riskiert seinen Versicherungsschutz.

Aller Anfang ist schwer

Von solchen technischen Möglichkeiten konnten die Pioniere der Elektrofahrrad-Szene nur träumen. Der Schweizer Philippe Kohlbrenner beispielsweise entwickelte Anfang der neunziger Jahre aus einer Autobatterie und dem Scheibenwischermotor eines Lastwagens einen Zusatzantrieb für sein Fahrrad. Gerade gut genug, um ihm den beschwerlichen Bergweg nach Hause zu erleichtern, undenkbar für den Massenmarkt.

Mehr Aufmerksamkeit hatte da schon der Basler Michael Kutter. Er war der Erste, der die Idee einer automatisierten Tretunterstützung mit einem sogenannten Pedelec (Pedal Electric Cycle) verwirklichte. 1990 ließ er mit diesem Antrieb beim Elektromobilrennen Tour de Sol alle anderen Teilnehmer in seiner Kategorie hinter sich.

Die beiden Pioniere brachten ihre Entwicklungen zwar zur Serienreife – Kohlbrenner mit der Marke Flyer, Kutter mit den Dolphins –, aber über viele Jahre blieben Elektrofahrräder ein Nischenthema – zu reparaturanfällig, zu viel Gewicht, zu wenig Reichweite. Erst als der Unternehmer Kurt Schär die Geschäfte bei Flyer übernahm und Design und Technik aufpolierte, ging es aufwärts.

 

Michael Kutter und die Pilotserie des Velocity Dolphin. Im April 2015 verstarb der Pionier der E-Bike-Szene.
© Daniel Spehr

Michael Kutter und die Pilotserie des Velocity Dolphin. Im April 2015 verstarb der Pionier der E-Bike-Szene.

Machte das E-Bike populär: der Schweizer Kurt Schär mit der Marke Flyer

Machte das E-Bike populär: der Schweizer Kurt Schär mit der Marke Flyer

Mehr als 200.000 E-Bikes in Österreich

"Irgendwann begann’s klick zu machen", sagte Schär im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin Brand Eins. Die Flyer-Verkaufszahlen stiegen – von 850 im Jahr 2002 auf das Zehnfache im Jahr 2008. Vor allem profitierten die Hersteller von neuen, leichten Lithium-Batterien. Das verbesserte Fahrgefühl ließ etwa in Deutschland den E-Bike-Verkauf seit 2008 in jedem Jahr um mehr als 30 Prozent steigen.

In Österreich kurven mittlerweile mehr als 200.000 Elektrofahrräder. "Österreich liegt damit voll im internationalen Trend", sagt Markus Gansterer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). "Europaweit nimmt die Zahl der Elektrofahrräder zu.“ 2014 sind in Österreich und Deutschland rund 5.900 E-Bikes pro Million Einwohner verkauft worden. Die Schweiz kommt auf einen Wert von rund 7.100 und die Niederlande auf rund 13.200 Elektrofahrräder pro Million Einwohner.

Grundsätzlich ist der Elektroantrieb bei E-Bikes als "Rückenwind" konzipiert, also als Tretunterstützung. Bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h schaltet sich dieser Motor automatisch wieder ab. Vom Gesetzgeber ist die Leistung des E-Motors auf 600 Watt begrenzt. E-Bikes mit höherer Leistung und Geschwindigkeit gelten in Österreich demnach nicht mehr als Fahrrad, sondern als Moped. Die Folge: Ausweis- und Helmpflicht. Wer das nicht beachtet, riskiert den Versicherungsschutz.

E-Bikes sogar für Kinder

Der Boom wirkt sich auch auf das Mobilitätsverhalten aus. Eine Erhebung in Vorarlberg zeigt, dass im Schnitt mit einem Elektrofahrrad fast 900 Kilometer pro Jahr geradelt werden, das sind rund 40 Prozent mehr als mit einem herkömmlichen Fahrrad. Der im Mai vom Umweltministerium vorgestellte "Masterplan Radfahren 2015–2025" will diese Entwicklung weiter fördern, etwa durch die Errichtung von Ladestationen. Die Reichweite eines E-Bikes liegt in der Regel – je nach Gelände und Kraftzugabe – zwischen sieben und 70 Kilometern.

Die Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt. Sie entwickeln nicht nur Elektrofahrräder, die wie das Freygeist E-Bike von herkömmlichen Zweirädern kaum zu unterscheiden sind, sondern entdecken völlig neue Möglichkeiten. Die Firma Biketronic aus Pasching beispielsweise baut E-Bikes für Radsportler, Pendler, Tourenfahrer und sogar für Kinder. Der letzte Schrei: Fatbikes mit Allrad-Antrieb. Besonders dicke Reifen sollen laut Hersteller auch bei Schnee, Sand und Gatsch für Bodenhaftung sorgen.

Solche Technik ist nicht ganz billig. Der deutsche Branchenverbund Service und Fahrrad (VSF) hat ermittelt, dass der Durchschnittspreis für E-Bikes im Fachhandel bei rund 2.000 Euro liegt. "1.700 Euro ist eine gute Maßgabe als Untergrenze für ein gutes Pedelec", informiert das Portal e-bikeinfo.de. Im Schnitt geben Käufer circa 2.500 Euro für ein E-Bike aus. Ein Bike von Freygeist wird rund 4.000 Euro kosten.

 

 

Automatische Tretunterstützung eines Pedelec

Automatische Tretunterstützung eines Pedelec

Schema eines E-Bikes mit manueller Zuschaltung

Schema eines E-Bikes mit manueller Zuschaltung

Fatbike von Biketronic: Wahlweise mit Allrad- oder Heckantrieb

Fatbike von Biketronic: Wahlweise mit Allrad- oder Heckantrieb

Voll im Trend: In Österreich sind mittlerweile über 200.000 E-Bikes unterwegs.
© blublaf / iStock

Voll im Trend: In Österreich sind mittlerweile über 200.000 E-Bikes unterwegs.

E-Bike statt Zweitauto

Eine kostengünstigere Alternative stellen Nachrüstsets für herkömmliche Fahrräder dar. Für Aufsehen sorgt derzeit ein Start-up aus Villach, das in zwei Finanzierungsrunden auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo über 250.000 Euro eingesammelt hat. Objekt der Begierde ist das Add-e, ein ansteckbarer Mini-Antrieb. Mit wenigen Handgriffen lässt sich der faustgroße Motor an das Hinterrad montieren und bei Bedarf wieder abnehmen. "Das Rad bleibt wendig und absolut leichtgängig", verspricht Gründer Fabian Gutbrod. Ab September soll die 25-km/h-Version für circa 900 Euro erhältlich sein.

Start-ups wie Add-e oder Freygeist haben das Glück der späten Geburt. Sie treffen heute auf einen Käufermarkt. Die Nachfrage nach E-Bikes ist derzeit weit größer als das Angebot. Die Pioniere mussten noch damit leben, belächelt zu werden. Kutter blieb bis zu seinem Tod im April dieses Jahres der Bastler mit nur punktuellem Erfolg. Flyer-Mitgründer Kohlbrenner ist zwar nach wie vor im E-Bike-Geschäft, an die Aufmerksamkeit der Freygeist-Gründer kommt er aber nicht ran. Dank der Crowd-Unterstützung sollen Ende Juli die ersten E-Bikes ausgeliefert werden. "Bereits kurz nach der Präsentation war die erste Serie vergriffen", so Martin Trink, verantwortlich für Vision und Produkt bei Freygeist. "Die aktuelle Warteliste umfasst schon vor der offiziellen Markteinführung mehrere Monate."

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