In nicht allzu langer Zeit in einer sehr, sehr nahen Galaxie

Die Europäische Weltraumorganisation ESA sucht noch bis Ende Mai 2021 nach sechs neuen Astronautinnen und Astronauten. MEIN LEBEN hat sich angeguckt, was du für die Arbeit im All mitbringen musst – und ob der Job wirklich so spannend ist.

Der erste „Space Walk”: der US-Astronaut Edward White 1965
©NASA

Der erste „Space Walk”: der US-Astronaut Edward White 1965

Du kannst dir endlich den Traum vom Spaziergang im Weltraum erfüllen. Bis zum 28. Mai 2021 hast du die Möglichkeit, dich als Astronaut*in bei der ESA bewerben – und musst dich dann gegen tausende Mitbewerber durchsetzen. Beim letzten Aufruf im Jahr 2008 bewarben sich fast 10.000 Menschen auf die begehrten Stellen, 8.431 erfüllten die Voraussetzungen, doch nur sechs haben es geschafft. Was muss du mitbringen, um infrage zu kommen? Wie lange dauert die Ausbildung? Und ist der Job wirklich so spannend, wie es scheint?

Wer wird gesucht?

Zunächst einmal solltest du EU-Bürger sein und mindestens einen Master-Abschluss in Naturwissenschaften, Mathematik, Medizin, Ingenieurwesen oder IT vorweisen können. Zusätzlich werden mindestens drei Jahre Berufserfahrung im jeweiligen Feld vorausgesetzt. Neben einem flüssigen Englisch in Wort und Schrift solltest du eine weitere Fremdsprache beherrschen. In die Bewerbungsmappe gehören ein Lebenslauf sowie ein Motivationsschreiben. Das sind die formalen Voraussetzungen. Machbar? Machbar.

Du musst kein Top-Athlet sein, aber um den Anforderungen der Arbeit im All gewachsen zu sein, solltest du eine ausreichende Fitness mitbringen. Gehst du regelmäßig Laufen, bewegst dich an der frischen Luft, achtest auf deine Ernährung und deine Gesundheit? Dann sind deine Chancen an dieser Stelle schon mal nicht schlecht. Dein Alter spielt übrigens keine Rolle.

Bisher waren Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen von der Auswahl ausgeschlossen. Doch dieses Mal wird unter dem Namen Parastronaut Project gezielt auch nach solchen Menschen gesucht. Eine Gehbehinderung oder Kleinwüchsigkeit sowie das Tragen einer Prothese vom Knie abwärts sind keine Gründe, nicht am Ausbildungsprogramm teilnehmen zu können.

Wie sieht der Bewerbungsablauf aus?

Die Bewerbungsfrist endet offiziell am 28. Mai 2021. Kommst du in die erste Runde, dann erwarten dich 17 Monate bestehend aus Tests, psychologischen Gutachten und Bewerbungsgesprächen. Es ist wenig, man könnte auch sagen, nichts, bekannt über diese Eignungsprüfungen. Sich vorzubereiten ist nicht möglich. Astronautinnen und Astronauten, die es bereits geschafft haben, empfehlen allerdings, möglichst entspannt an die Tests und Gespräche heranzugehen.

Astronauten-Ausbildung in den 1960er Jahren
©NASA

Astronauten-Ausbildung in den 1960er Jahren

Was passiert in der Ausbildung?

Bei einem derartig langen Bewerbungsverfahren kannst du dir vorstellen, dass es die Ausbildung in sich hat. Die ESA hat das Programm in drei Schritte eingeteilt:

Im Basic Training lernst du im Laufe eines Jahres die Grundlagen für die Zukunft als Astronautin oder Astronaut. Du lernst alles über die internationale Raumfahrt, Basiswissen in Ingenieurwesen, ein wenig Russisch, grundlegende Fähigkeiten für Astronauten und nimmst an einem Überlebenstraining teil.

Im nächsten Schritt, dem Pre-Assignment Training, was so viel wie Vorbereitungstraining heißt, geht es mehr in die Tiefe. Du lernst Navigation, Robotik, medizinische Praktiken und du unterstützt als Teil der Mission Control das derzeitige Team im All. Das Training für „Space Walks” beginnt auch in dieser Phase. Dieser zweite Ausbildungsschritt ist zeitlich nicht eingegrenzt.

Im dritten und letzten Teil der Ausbildung, dem etwa zweijährigen Increment Training, der Aufbauphase, hast du Zeit, das Gelernte zu verfestigen, wirst auf deine erste Mission vorbereitet und fokussierst dich auf ein Spezialgebiet.

Wie sieht der Alltag als Astronaut aus?

Aufräumen in einem Labor-Modul auf der Internationalen Raumstation ISS
©NASA

Aufräumen in einem Labor-Modul auf der Internationalen Raumstation ISS

Eine Expedition auf eine Raumstation dauert normalerweise etwa sechs Monate. Langeweile wird dort keine aufkommen. Auf dem täglichen Programm stehen die wissenschaftliche Arbeit, wie zum Beispiel die Aufzucht blühender Pflanzen im All, wie es das erste Mal im Jahr 2016 gelang, Sport und gemeinsame Mahlzeiten (Knoblauch soll im Weltraum besonders gut schmecken), hinzu kommen regelmäßige Meetings mit dem Team oder der Mission Control, also den Teammitgliedern auf der Erde. Ein Arbeitstag ist aber in der Regel auf acht Stunden begrenzt. Zeit für den Kontakt zu Familie und Freunden per Videocall ist auch vorgesehen. Um Hausarbeit kommst du auch im All nicht herum. Am Wochenende ist Gelegenheit, die eigene Kajüte wieder auf Vordermann zu bringen.

Regelmäßig finden „Space Walks” statt, die Spaziergänge im All. Dies sind ganztägige Aktionen, in denen die Crew oder einzelne Mitglieder die Raumstation verlassen, um im freien Raum Experimente durchzuführen oder um die Station von außen zu warten. Damit kann kein Tischkicker in einem Start-up mithalten.

Zurück auf dem Boden

Wenn die Crew dann wieder auf der Erde ist, sieht der Alltag ganz anders aus. Auch Astronauten bleibt Büroarbeit nicht erspart. Wissenschaftliche Artikel über die Erkenntnisse aus dem All müssen verfasst werden. Aber es gibt auch spannende Tätigkeiten auf der Erde. Zum Beispiel öffentliche Auftritte und Lehrtätigkeiten an Schulen und Universitäten. Seit einigen Jahren wird auch der Bereich Social Media für Astronauten immer wichtiger. In Livestreams berichten sie von den Missionen oder teilen Impressionen aus dem All, um Menschen für ihre Arbeit zu begeistern.

Das Aufgabenfeld ist breit und du wirst viel reisen müssen. Ins Weltall, klar, aber auch auf der Erde ist der Job standortunabhängig und kann dich in alle Ecken der Welt verschlagen.

Es ist also was dran am Mythos um den Beruf des Astronauten. Du kommst herum und arbeitest in einem internationalen Team. Du hast einen Schreibtisch im All. Und die Aussicht von der ISS zur Erde ist auch nicht zu verachten.
 

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