Photovoltaik:
der richtige Zeitpunkt zum Investieren

Mit Photovoltaik können Hausbesitzer beim Klimaschutz mithelfen. Die Geschäftsführerin des Bundesverbands ​​Photovoltaic Austria sagt, warum jetzt der richtige Zeitpunkt zum Investieren ist und warum wir alle zur Verfügung stehenden Flächen nutzen müssen.

DI Vera Immitzer ist Geschäftsführerin von Photovoltaic Austria
©FotoWeinwurm

DI Vera Immitzer ist Geschäftsführerin von Photovoltaic Austria

Photovoltaik boomt - und wird kräftig gefördert vom Staat. Der Bundesverband ​​Photovoltaic Austria ist die Interessenvertretung von Unternehmen, die sich mit Photovoltaik und Stromspeicherung beschäftigen. Wir fragten die Geschäftsführerin des Verbands, DI Vera Immitzer, nach dem Stand der Dinge in Österreich und nach Tipps für interessierte Hausbesitzer. 

Frau DI Immitzer, wie hat sich der Photovoltaikmarkt in den letzten Jahren entwickelt?

Der Markt ist schön gewachsen, in den letzten zwei Jahren jeweils um 30 Prozent. Entsprechend sind unsere Unternehmen gefordert. Aber es ist immer noch viel zu wenig gemessen an dem, wo wir hinmüssen. Wir müssen in Zukunft jährlich dreimal so viel Anlagen installieren wie jetzt. Genug Fördermittel sind eine Möglichkeit. So erhält jeder, der eine Anlage errichten will, auch eine Förderung. Es braucht aber auch noch mehr Information zum Thema PV und Baugenehmigungen müssen erleichtert werden.

Hat der Aufschwung bei der Photovoltaik damit zu tun, dass die Grünen in der Regierung sind?

Mitunter. Aber es ist auch so, dass die PV mittlerweile ein Preisniveau erreicht hat, das für Privatkunden attraktiv ist. Die Preise sind stark gesunken, in den letzte beiden Jahren allerdings stagnieren sie. Wir haben jetzt ein Niveau erreicht, von dem aus keine großen Sprünge nach unten mehr zu erwarten sind. So gesehen, ist jetzt der absolut richtige Zeitpunkt, um zu investieren.

Montage von Solarmodulen

Montage von Solarmodulen

Werden in Österreich oder Europa auch in nennenswertem Umfang Solarpaneele hergestellt?

Es gibt ein paar Modulproduzenten, aber nicht mehr viele. Viele Module kommen aus Asien. Aber in ganz Europa wächst der Markt und deshalb steigen wieder mehr europäische Unternehmen in die Modulfertigung ein. So hat der größte österreichische Modulproduzent Kyoto seine Produktion jetzt verdoppelt. 

 Im Juli wurde neue Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) beschlossen. Wann tritt es in Kraft?

Teile des Gesetzes sind schon in Kraft getreten, da geht’s um die Investitionsförderung durch Einmalzuschüsse. Aber die Verordnung, die die Details klärt, wird gerade noch geschrieben. Es wird aber in diesem Jahr noch eine Förderrunde mit dieser Investitionsförderung geben.

Welche Veränderungen bringt es für Hausbesitzer, die sich für Photovoltaik interessieren?

Es steht mehr Geld zur Verfügung, womit mehr Menschen eine geförderte PV-Anlage bekommen können. Es wird eine Förderung für innovative Anlagen geben, beispielsweise auf Carports oder an Fassaden. Und es wird Erleichterungen bei Anschluss ans Stromnetz geben. Auch Energiegemeinschaften werden ermöglicht.

 

Es muss kein Dach sein: PV Anlagen am Balkon
©ertex solar

Es muss kein Dach sein: PV Anlagen am Balkon

 Wie ist das bisher, wenn ich mir eine PV-Anlage aufs Dach setzen will. Gibt’s dafür immer Förderung? Für jeden? Oder nur unter bestimmten Bedingungen?

In Österreich sind die Fördermittel leider beschränkt. Bevor ich eine Anlage plane und errichte, muss ich einen Förderantrag stellen. Dann bekomme ich eine Förderzusage und kann die Anlage errichten. Wenn ich die Anlage vor Antragstellung errichte, erhalte ich keine Förderung. Aktuell gibt’s eine gut handhabbare Förderung vom Klima- und Energiefonds, die vor allem für Privatpersonen gedacht ist. Da kann ich schauen, wie viel Budget noch vorhanden ist, mich registrieren und muss dann innerhalb von 12 Wochen die Anlage errichten. Dann rechne ich meine Kosten ab bzw. reiche meine Förderung ein.

Und in der Regel krieg ich die Förderung auch?

Genau, bei der Förderung vom Klima- und Energiefonds sehe ich, wie viel Budget noch vorhanden ist, das ist ein Live-Ticker sozusagen. Und wenn ich mich registriere, ist das Geld für mich registriert. Im Moment ist noch unklar, ob es diese Förderung weiterhin geben oder durch eine Förderung über das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz abgelöst wird.

Dann gibt’s doch auch noch die Oemag?

Das ist die zweite Förderschiene. Das ist eine Förderung für große Anlagen, wo auch die Stromeinspeisung gefördert wird.

Wie ist das bei den Eigenheimbesitzern, stellen die nur Strom für sich her oder speisen die auch Strom ins Netz ein?

Die Privaten produzieren den Strom primär für sich selber. Der Strom, der nicht im Gebäude genutzt oder gespeichert werden kann, der geht ins Stromnetz und wird an einen Energieversorger verkauft. Das Problem ist: Für den Strom, den ich einspeise, bekomme ich nicht sehr viel vom Energieversorger, ganz gleich von welchem, da der Preis für Strom an sich niedrig ist. Daher ist es das Beste für Privathaushalte, den erzeugten Strom selbst zu nutzen. Denn dann spare ich nicht nur die Kosten für den Stromankauf, sondern zusätzlich auch die Kosten für Netztransport, Steuern und Abgaben.

Dann gibt’s noch Förderungen von den Bundesländern, welche Rolle spielen die?

Einzelne Bundesländern fördern. Seit Kurzem ist auch möglich, die Förderung der Bundesländer zur Förderung des Bundes zu addieren. Davor musste man sich für eine von beiden entscheiden. Es gibt auch Gemeinden, die fördern. Es lohnt sich also, bei der Gemeinde nachzufragen.

Nach wie viel Jahren amortisiert sich für private Eigenheimbesitzer bei den gegenwärtigen Energiepreisen und Fördermöglichkeiten die Investition in eine Photovoltaikanlage?

In diesem Bereich in etwa 10 bis 12 Jahren. Engagierte Betreiber, die ihre Geräte einschalten, ihr Auto laden und ihr Warmwasser erzeugen, wenn die Sonne scheint, kommen auch auf sieben bis acht Jahre. Die Empfehlung ist also, den Strom dann zu nutzen, wenn ich ihn erzeuge. Außer man hat einen Stromspeicher.

Wie ist der Stand bei Stromspeichern? Werden die stark genutzt?

Ja, die sind beliebt. Die werden auch gefördert. Es gibt europäische und österreichische Unternehmen, die welche produzieren und installieren, Varta und Fronius zum Beispiel. 

Wie viel Strom lässt sich mit einem Stromspeicher üblicherweise speichern?

Das hängt von der Größe des Speichers ab. Und der sollte weder zu groß noch zu klein sein. Ist er zu groß, kann ihn die PV-Anlage nicht ausreichend füllen. Ist der Speicher zu klein, ist der zu schnell leer. Für eine 5-7 kWp Anlage wird ein 5 kWh Speicher empfohlen. Damit kommt man sehr gut über die Nacht und auch den nächsten Tag. Aber am nächsten Tag ist die Sonne ja auch schon wieder da und lädt nach.

Meine PV-Anlage kann ich aber auch für meine Heizung und Warmwasser nutzen, richtig?

Ja, das ist ratsam, weil ich dann zum Beispiel das Gas für eine Gasheizung einspare. Photovoltaik wird gerne mit einer Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser kombiniert, denn die braucht Strom. Oder der Sonnenstrom wird über einen Heizstab direkt für das Warmwasser genutzt.

Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung: Photovoltaik in der Landwirtschaft
©tierschutzkonform.at

Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung: Photovoltaik in der Landwirtschaft

Sind Sie glücklich mit dem neuen Gesetz und mit dem Aufwärtstrend oder haben Sie noch weitergehende Forderungen und Wünsche?

Wir sind froh, dass es das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz gibt. Auf das warten wir ja schon seit zwei Jahren. Wir wollen bis 2030 in Österreich unseren Strom nur noch aus erneuerbaren Quellen produzieren. Aktuell sind wir erst bei 70 Prozent, der Rest sind fossile Quellen, vor allem Gas. Um auf 100 Prozent zu kommen, müssen wir vor allem auf Photovoltaik setzen, denn eine PV-Anlage kannst du, ich sag es mal salopp, auf jede Fläche packen. Und das soll das neue Gesetz auch ermöglichen. Wir müssen alle zur Verfügung stehenden Flächen nutzen wie Parkplätze, Deponien, Lärmschutzwände und auch auf landwirtschaftliche Flächen. Die kann man so doppelt nutzen. Feldfrüchte oder Tiere kann man so vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen und den Boden feuchter halten.

Wo können sich Eigenheimbesitzer beraten lassen?

Um einen Überblick zu bekommen, ist unsere Plattform sehr gut. Dort findet man alles zur Bundesförderung und welche Förderungen in den Ländern gibt. Auch eine Übersicht, ob eine Anzeige oder Genehmigung notwendig ist, findet man hier. Bei der Umsetzung und Beratung hilft der Anlagenbauer, der in den meisten Fällen auch bei der Fördereinreichung unterstützt. Parallel dazu gibt es auch die Energieberatung der Länder.

Die Finanzberater von Wüstenrot beraten dich gerne zu einer Finanzierung für eine Photovoltaikanlage oder eine energetische Gebäudesanierung mit dem dem ImmoFlexKredit [1]. Dieser bietet die Möglichkeit, Sicherheit und Flexibilität zu kombinieren: Die eine Hälfte der Darlehenssumme ist fix verzinst. Die übrigen 50 Prozent werden variabel verzinst. Für mehr Durchblick sorgt die Wüstenrot klickmal App. Sie hilft dir nicht nur bei der Wahl der richtigen Finanzierung, sondern auch bei der Organisation des Bauprojekts.