Möbelkauf per App:
Augmented Reality fürs Wohnzimmer

Mussten bei der Neueinrichtung früher noch Katalog und Vorstellungskraft ausreichen, genügt heute ein Smartphone. Mit App und Kamera lassen sich Möbel und andere Einrichtungsgegenstände virtuell ausprobieren.

Virtuell einrichten: Die AR-App Ikea Place macht es möglich.
© Inter IKEA Systems B.V. 2017

Virtuell einrichten: Die AR-App Ikea Place macht es möglich.

Ikea ist ein Meister der Verführung: Denn wer auf der Suche nach der passenden Schrankwand, dem Beistelltisch oder Sessel ins Schweden-Möbelhaus fährt, kommt meist mit mehr zurück, als auf dem Zettel stand. Und das hat einen Grund: 70 Prozent unserer Kaufentscheidungen treffen wir erst vor den Regalen, wie der Experte für Entscheidungspsychologie Benedikt Ahlfeld weiß. Schuld daran ist aber weniger das gute Marketing, als vielmehr unser Gehirn, das sich im Laden vom Einkauferlebnis manipulieren lässt. Doch ob diese Spontankäufe dann auch ins eigene Wohnkonzept passen? Das hat sich bislang erst zu Hause gezeigt.

Willst du Fehlkäufe vermeiden, sind digitale Lösungen für dich ideal, die deine eigene Vorstellungskraft mit virtuellen Hilfen unterstützen. Das Potenzial von Augmented Reality (AR) hat Ikea 2017 für sich erkannt. Im September letzten Jahres startete die iOS-App, im März 2018 folgte die Android-Variante. Seither lässt sich daheim nicht nur im Katalog stöbern, zahlreiche Produkte kannst du auch dreidimensional und maßstabgetreu in deinen eigenen vier Wänden virtuell platzieren.

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ARKit und ARCore machen’s möglich

Was enorm aufwändig klingt, war für Ikea relativ leicht umzusetzen. Denn die App dockt an die von Apple und Google geschaffenen Programmierschnittstellen für erweiterte Realität an, auf englisch „Augmented Reality“ oder kurz AR. Über die Kameras auf der Rückseite, beziehungsweise spezielle Tiefensensoren, sind Android und iOS in der Lage, den Raum digital zu erfassen. Böden, Wände und die Abstände im Raum werden vom System erkannt und als Datenbündel bereitgestellt. Stark verkürzt musste Ikea nur noch digitale Modelle seiner Möbelstücke liefern und mit den Smartphone-Daten kombinieren.

ARKit und ARCore sind aber nicht die einzigen Lösungen auf dem AR-Markt. An der Verbesserung der Schnittstelle zwischen online und offline arbeitet auch das Tech-Startup RoomAR, das die Einrichtungsgegenstände ebenfalls in echten Umgebungen visualisiert. Dabei kombiniert RoomAR die AR-Technologie mit künstlicher Intelligenz: Mittels Machine Learning empfiehlt die App nicht nur passende Produkte basierend auf Interessen, auch Stilempfinden und tatsächliche Wohnsituation werden mit berücksichtigt. Im September 2018 hat RoomAR zusammen mit dem Berliner Designcenter Stilwerk die App stilwerk AR gelauncht.

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Virtuelles Wohnzimmer 2.0

Während die aktuell verfügbaren Technologien die analoge und digitale Welt verschmelzen, geht Magic Leap schon einen Schritt weiter. Das Unternehmen tüftelt schon länger an einer Brille für virtuelle Realität – also eine Welt, die sich komplett digital abspielt. Seit August 2018 ist das erste Modell Magic Leap One in den USA für Entwickler erhältlich. Zu den frühen Unterstützern der Brille zählt der US-Inneneinrichter Wayfair, der mit Wayfair Spaces seine Vision der digitalen Inneneinrichtung zeigt. Mit einer VR-Brille sollen sich Nutzer künftig komplett in eine virtuelle Welt begeben, um hier ihre Wohnung komplett neu zu gestalten: von der Kunst an der Wand über die Couchgarnitur bis hin zum Teppich. Anders als die Smartphone-basierten AR-Apps könnten sich VR-Anwendungen vor allem für Häuslbauer lohnen, da sich so die neuen vier Wände perfekt schon lange vor dem ersten Spatenstich detailliert bauen und einrichten lassen. Elektroplanung auf dem Papier – das wäre dann Vergangenheit. So mancher Bauherr dürfte sich diese Möglichkeiten schon heute wünschen.

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