Der Stephansdom – Besonderheiten eines österreichischen Wahrzeichens

Er ist mehr als nur die Pummerin zu Silvester: Der Stephansdom liegt nicht nur geografisch im Zentrum Wiens, sondern ist auch symbolisch betrachtet so etwas wie das Herz der Nation. Und hat neben einer „Zeitreise-Kapsel“ noch weitere Besonderheiten zu bieten. Anlässlich einer Life-Benefizshow (28. Mai in ORF 2) hat MEIN LEBEN in den Archiven gegraben und einige interessante Fakten gefunden.

Steffl, Wiener Wahrzeichen und österreichisches Nationalheiligtum: Der Stephansdom, der eigentlich „Dom- und Metropolitankirche zu St. Stephan und allen Heiligen“ heißt, trägt nicht nur viele Titel. Er hat auch eine facettenreiche und bewegende Geschichte zu erzählen, die bereits im 12. Jahrhundert beginnt und einige Besonderheiten aufweist.

Imposantes Wahrzeichen: Der Stephansdom in der Wiener Innenstadt

Imposantes Wahrzeichen: Der Stephansdom in der Wiener Innenstadt

Der „unvollendete“ Nordturm

Eine der augenscheinlichsten und auffälligsten davon ist wohl der Nordturm – denn dieser wirkt, im Vergleich zum Südturm, wie ein unfertiger Stumpf. Doch warum? Über 4 Jahrzehnte dauerten die Arbeiten (von Mitte des 15. Jahrhunderts bis Anfang 16. Jahrhundert) bereits, als vor allem wirtschaftliche Schwierigkeiten den Bau stoppten. Auch religiöse Umwälzungen und die Angst vor den Feldzügen des Osmanischen Reichs trugen zum Baustopp bei.

Der Turm, dessen Spitze man bequem per Aufzug besuchen kann, trägt heute auch den Beinamen „Adlerturm“, der sich vom Adler auf dem Dach der Turmkuppel ableitet. Und auch wenn der Turm beträchtlich kleiner als sein südlicher Bruder (136,4 Meter) ist, so ist er nicht minder von Bedeutung, denn er beherbergt immerhin auch die Pummerin,

Nicht alltäglich: Der Klang der Pummerin

Diese kennt man vorwiegend von Silvester, wenn ihr Geläut das neue Jahr einläutet. Die Glocke wiegt übrigens sagenhafte 20.130 Kilogramm und ist die sechstgrößte schwingende Glocke der Welt. Allerdings hängt im Dom nicht mehr die „originale“ Glocke, denn die seit 1711 im Dom hängende Pummerin wurde im April 1945 im 2. Weltkrieg zerstört. Ihre Reste und Teile von weiteren zerstörten Glocken aus dem Stephansdom wurden zur Herstellung der neuen und aktuell im Dom befindlichen Pummerin wiederverwendet.

Tolle Aussicht vom Nordturm

Tolle Aussicht vom Nordturm

Am 13. Oktober 1957 wurde „Die Neue“ eingeweiht und läutet seither zu einigen wiederkehrenden Feiertagen (u. a. eben Neujahr, Karsamstag und Pfingstsonntag) sowie zu ausgewählten Anlässen. Darunter zuletzt die Solidaritätsbekundung zum Brand von Notre-Dame de Paris (16. April 2019) oder beim Glockenläuten aller Wiener Kirchen im Zuge der „Minute des stillen Gedenkens“ an die Opfer des Terroranschlags in Wien vom 3. November 2020.

Geschichten die sich ranken

Zur Rolle des Stephansdoms als österreichisches Wahrzeichen hat die Pummerin wohl maßgeblich beigetragen, aber auch ein paar „G’schichtln“, welche manchmal weniger und manchmal mehr Wahrheitsgehalt besitzen. So wie die „Tuch- und Leinenelle“ auf der linken Seite des Haupttores, die tatsächlich Längenmaße darstellen, die einst Rechtsgültigkeit besaßen. Mit ihrer Hilfe konnten Bürger Waren auf ihre Größen überprüfen. Dass die kreisrunde Vertiefung direkt daneben als Maß für einen Laib Brot galt, ist allerdings nur ein Mythos. In Wahrheit sind es simple Abnutzungsspuren einer ehemals hier verankerten Torbefestigung. 

Manche Details konnten Wissenschaftler aber auch erst nach Jahrhunderten herausfinden: So war der 1433 fertiggestellte Südturm des Doms für 50 Jahre der höchste Turm Europas – das fanden Wissenschaftler erst 2011 heraus (LINK).

"Checkpoint" für Längenkontrolle: „Tuch- und Leinenelle“ auf der linken Seite des Haupttores
Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / „Wien, Stephansdom, Elle -- 2018 -- 3297“ / CC BY-SA 4.0 https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wien,_Stephansdom,_Elle_--_2018_--_3...

"Checkpoint" für Längenkontrolle: „Tuch- und Leinenelle“ auf der linken Seite des Haupttores

Der Südturm: Spektakulärer Klettergarten…

Während man die oben genannten Auffälligkeiten bei jedem Spaziergang im 1. Bezirk erkunden kann, bleibt eine Betrachtung aus nächster Nähe der „Goldenen Kugel“ an der Spitze des Südturms nur den wenigsten vorbehalten. Lediglich Mitarbeiter des Dombauamtes (und ganz selten weitere Ausnahmen) dürfen durch das „Angstloch“, einer gerade einmal ein Meter breiten Öffnung in 120 Meter Höhe, klettern und dann über eiserne Sprossen an der Außenwand (!) des Südturmes zur Spitze rauf. Da braucht man stabile Knie in schwindelerregenden Höhen.

…mit Zeitreise-Kapsel

An der Turmspitze angekommen, hat man mit der goldenen Kugel des Stephansdoms eine regelrechte Zeitkapsel vor der Nase: In vergangenen Zeiten war es üblich, dass man Kirchturm-Kugeln mit diversen Devotionalien befüllt, die für folgende Generationen als wichtig erachtet werden. 2008 öffnete man diese „Zeitreise-Kapsel“ erstmals nach 144 Jahren wieder und fand unter anderem drei Ausgaben der Wiener Zeitung darin. Neu hinzugefügt wurden damals ein kompletter Euro-Geldsatz, eine Kreditkarte, ein Handy sowie ein Panini-Pickerl-Album anlässlich der Fußball-EM 2008, die ja in Österreich (und der Schweiz) stattfand.

Noch ein weiterer Fact zum Südturm, den man heute allerdings nicht mehr „sieht“: Rund um das Jahr 1861 wurde der Südturm im Zuge von Restaurierungsarbeiten für einige Zeit abgetragen und ist seither ohne Turmuhr, die zuvor noch dort befestigt war. Nur falls sich jemand fragt, warum der Stephansdom keine Uhr wie viele andere Kirchtürme hat.

Stephansdom wird erneut zum leuchtenden Symbol

Die Symbolkraft des Steffls zieht auch nach knapp 900 Jahren bewegender Geschichte die Menschen in ihren Bann. Die größte Kirche des Landes steht auch für die Widerstandskraft einer gesamten Nation, sei es nach dem 2. Weltkrieg oder jetzt, um die Folgen der Corona-Pandemie zu meistern. Diese Wirkung will LIFE+-Obmann Gery Keszler für die gute Sache nutzen: Am Freitag, 28. Mai 2021 (22.30 Uhr, ORF 2 und Krone.tv), werden Stephansdom und -platz Ort für eine 90-minütige Live-TV-Benefizshow im Zuge der Spenden-Kampagne "Austria for Life", die in Zusammenarbeit mit der ORF-Aktion „Österreich hilft Österreich“ am 1. Mai startete. Erzählt wird die Geschichte Österreichs mit Darbietungen von bekannten Kulturschaffenden und Stars von heute – der Stephansdom und seine Besonderheiten werden als virtuelle Bühne spektakulär in die Show eingebunden (Weitere Infos).

Wüstenrot unterstützt Initiative

Die Kampagne Austria for Life, die Spenden für jene sammeln soll, die von der Coronakrise besonders schwer getroffen wurden, wird auch von Wüstenrot unterstützt: „Wüstenrot steht seit 95 Jahren für Sicherheit, Stabilität und Solidarität. Als Bausparkasse, als Versicherung und demnächst auch als Bank. Wir helfen Wohnträume zu verwirklichen, geschaffene Werte abzusichern und für die Zukunft vorzusorgen. Wenn Menschen unverschuldet in Not geraten, schauen wir nicht weg. Wir helfen, wo wir können. Rasch und unbürokratisch. Daher unterstützen wir mit Freude Austria for Life“, sagt Wüstenrot Generaldirektorin Dr. Susanne Riess.