„Der Grundriss ist alles, der muss stimmen.“

Jahrelang stand die Dachgeschosswohnung leer, weil sie einen ungünstigen Grundriss hatte. Dann kaufte die Innenarchitektin Martina Hladik das Objekt und verwandelte es in eine Traumwohnung.

Innenarchitektin Martina Hladik
©Jutta Diem

Innenarchitektin Martina Hladik

Manchmal kommt es vor, dass Martina und Marco Hladik in ihrem Dachgeschoss Besuch von Bekannten erhalten, die sich auch einmal für die Wohnung interessiert hatten – das Objekt aber wegen des ungünstigen Schnittes nicht gekauft haben. „Die sagen dann oft, hätten wir gewusst, was man daraus machen kann, hätten wir die Wohnung sofort gekauft“, sagt Martina Hladik und lacht. Die Innenarchitektin und Eigentümerin von Room Service bietet Einrichtungsberatung an. Sie ist Vollprofi darin, das Potenzial von Räumen zu erkennen und Lösungen für schwierige Grundrisse zu finden.

220 Quadratmeter offener Raum

Der Ausbau der Dachgeschossmaisonette
©Jutta Diem

Der Ausbau der Dachgeschossmaisonette

Der alte Grundriss der Dachgeschossmaisonette des 1911 im Jugendstil gebauten Luger-Haus im österreichischen Dornbirn sah bei einer Wohnfläche von 220 Quadratmetern auf zwei Ebenen nur ein Bad und ein Schlafzimmer vor ─ alles andere war offener Raum. „Auf meine Frage, was man mit der vollkommen leeren oberen Ebene anfangen solle, antwortete der Makler, man könne da doch einen Billardtisch reinstellen“, erinnert sich Martina Hladik. Das kam für sie nicht in Frage und so entwarf die Planerin einen ganz neuen Grundriss.  Die wichtigste Änderung war dabei die Nutzung der oberen Ebene: Hier entstand eine eigene Einheit mit eigenem Bad und zwei Gästeschlafzimmern.

Auch die untere Ebene erhielt eine neue Raumaufteilung mit einer unkonventionellen Lösung: Statt wie im Dachgeschossausbaus üblich die Schrägen durch halbhohe Schränke als Stauraum zu nutzten, fügte Martina Hladik zwei Wände in die Raummitte ein, in deren Inneren sich der Treppenaufgang und Stauraum befinden.

Die Außenseiten bilden die Rückwände zum Wohnzimmer und zur Küche und sorgen für eine gemütliche Atmosphäre und funktional abgegrenzte Räume. Durch die unverbauten Schrägen wirken die Räume leichter und lassen eine flexible Inneneinrichtung zu. „Mit zu vielen Einbauschränken ist man für die kommenden Jahre gebunden und kann nicht mehr spontan die Raumaufteilung ändern“, erklärt die Einrichtungsexpertin. Nachdem der neue Grundriss genehmigt wurde, war klar, dass sie und ihr Mann das Objekt kaufen.

Ton-in-Ton für Balken, Boden und Wände

Ton-in-Ton mit farbigen Akzenten
©Jutta Diem

Ton-in-Ton mit farbigen Akzenten

Zum romantischen Flair einer Dachgeschosswohnung gehören typischerweise Balken. Doch Balken können mitunter den Raum sehr dominieren. Die Holzbalken in der Wohnung der Hladiks hatten außerdem durch einen Wasserschaden gelitten und waren fleckig. Deshalb ließ Martina Hladik sie in einem matten Lack in etwa demselben Farbton wie die Wände streichen. Für diese wählte die Einrichtungsexpertin die Farbe Shadow White der Marke Farrow and Ball. „Dadurch sind die Balken nicht so präsent.“

Auch die spezielle Farbwirkung von Schrägen hat die Innenarchitektin und Farbberaterin mitgedacht. Normalerweise setzt sie gern auch dunkle Farben ein, doch hier hat sie sich anders entschieden: „Ich empfehle, Schrägen immer eher hell zu streichen, weil sie sonst schnell sehr schwer wirken.“ Für den Boden hat sie einen gekalkten Eichenboden gewählt, der sich in die Ton-in-Ton Scala harmonisch einfügt. Die Helligkeit durch natürliches Tageslicht betont zusätzlich die Leichtigkeit der Räume. Hier mussten die Hladiks nicht viel verändern, die Fenster und der Balkon waren schon ausgebaut. Lediglich ein zusätzliches Fenster haben sie hinzusetzen lassen.

Farbakzente für starke Auftritte

Violette Wandfarbe schafft Geborgenheit und Eleganz
©Jutta Diem

Violette Wandfarbe schafft Geborgenheit und Eleganz

Ganz auf Farbe wollte die Einrichtungsexpertin aber nicht verzichten und setzte mit einzelnen Wänden oder Möbeln bewusst farbige Akzente. So hat sie im offenen Wohnbereich eine Wand des Mittelraums in Anthrazit gestrichen, wodurch der Raum abgeschlossener und gemütlicher wirkt und den Kunstwerken an der Wand eine perfekte Bühne bietet. Im Schlafzimmer bildet die violette Wandfarbe einen schönen Rahmen für das Bett und verleiht dem Raum Geborgenheit und Eleganz.

Die Wohnung wirkt entspannt und gemütlich.
©Jutta Diem

Die Wohnung wirkt entspannt und gemütlich.

In der oberen Etage bringt ein blaues Schlafsofa Frische in das sonst farblich dezente Gästezimmer. Einen ungewöhnlichen Akzent bilden die Stufen der Stiege, die aus geräucherter Eiche angefertigt wurden und deutlich dunkler sind als der übrige Boden. „Ich finde es schön, wenn die Stiege eine Bedeutung hat, deshalb habe ich bewusst einen anderen Holzton gewählt.“ Dass sich die Holztöne von Treppe und Wohnbereich unterscheiden, hat bei den Handwerkern übrigens zunächst für große Irritation gesorgt – sie befürchteten, dass das falsche Holz geliefert wurde.

Lässiger Mix

Eklektischer Einrichtungsstil in Küche und Eßzimmer

Eklektischer Einrichtungsstil in Küche und Eßzimmer

Nicht nur bei ihrer Arbeit als Beraterin und Planerin, sondern auch bei ihrem persönlichen Wohnstil achtet Martina Hladik neben abgestimmten Farbkombinationen auf eine gewisse Lockerheit. So hatte das Ehepaar Hladik gezielt nach einer Altbauimmobilie gesucht, weil sie „eine Wohnung mit Charakter und kein schuhboxmäßiges modernes Penthouse“ wollten. Bei der Möblierung mischt die Einrichtungsexpertin Altes mit Neuem. „Bei der Einrichtung haben wir uns nicht am Jugendstil orientiert, das ist nicht unsere Lieblingsepoche. Ich richte mich gerne flexibel und im eklektischen Stil ein.“ Eklektisch bedeutet, dass Farben, Materialien und Formen aus verschiedenen Stilbereichen zusammenkommen und daraus ein individueller Stilmix kreiert wird.

Bevor das Ehepaar Hladik in die Dachgeschosswohnung zog, wohnten die beiden mit ihren zwei Kindern in einem Loft. Als die erwachsenen Kinder auszogen und die Wohnung zu groß wurde, suchte sich das Paar ein neues Objekt als Alterssitz. Beim Einzug ins Dachgeschoss haben die Hladiks nur wenige Möbel aus der alten Wohnung mitgebracht, wie zum Beispiel den Esstisch von le Corbusier. Ansonsten haben sie viel neu angeschafft, beispielsweise die XXL-Sofas mit Lederbezug von Baxter. Die Wahl von Möbeln, Kissen, Teppichen und anderen Wohnaccessoires zeigt Martina Hladiks Vorliebe für hochwertige Materialien, interessante Strukturen, vitale Farbakzente und klare Formen.

Aber trotz der exquisiten Einrichtung und Architektur entsteht nicht der Eindruck einer sterilen Designerwohnung. Besucher empfinden die Wohnung vielmehr als stilvoll, aber entspannt und gemütlich. „Ich mag einen lässigen und individuellen Einrichtungsstil“, sagt Martina Hladik. „Deshalb bin ich auch bei Architektenhäusern meist skeptisch, weil da oft schon so viel von der Einrichtung festgelegt ist.“

Kosmopolitin in der Kleinstadt

Martina Hladik wollte ursprünglich Modedesignerin werden, studierte auf Wunsch des Vaters aber zunächst Jura. Eine Designerin, die ihre stylische Studentenwohnung sah, die sie selbst eingerichtet hatte, empfahl ihr, das Einrichten zum Beruf zu machen. Ende der 1980er Jahre zog sie mit ihrem Mann nach London und begann dort ein Innenarchitekturstudium an der renommierten Inchbald School of Design. Hier sah sie zum ersten Mal, wie spielerisch leicht Engländer mit Farben umgehen.

1993 kehrte die Familie nach Österreich zurück. Seither arbeitet Martina Hladik als Innenarchitektin mit Schwerpunkt Farbberatung. 2009 eröffnete sie ihr eigenes Unternehmen Room Service in der Innenstadt von Dornbirn. Mittlerweile gibt es neben dem Concept Store noch eine Boutique in Lech. In die Kleinstadt in Vorarlberg hat es die gebürtige Wienerin und ihre Familie verschlagen, weil ihr Mann Marco von dort kommt. „Dornbirn ist zwar eine Kleinstadt, aber alles ist offen und grenzüberschreitend durch die Nähe zur Schweiz, Deutschland und Lichtenstein.“ Ein großer Vorteil für ihr Unternehmen ist außerdem, dass die Region ein bekanntes Architekturland ist und die Menschen hier großen Wert auf eine gute Einrichtung legen.

Martina und Marco Hladik fühlen sich sehr wohl in ihrem neuen Zuhaue. Eine wesentliche Veränderung zwischen dem Loft am Stadtrand und dem Dachgeschoss in der Innenstadt ist das Glockengeläut der benachbarten Kirche. „Oft fragen uns Freunde, ob es uns nicht störe, dass die Glocken alle Viertelstunde läuten“, erzählt Martina Hladik. „Aber das stört uns überhaupt nicht, da haben wir uns schnell dran gewöhnt.“

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